Melancholiker an der Macht

Er ist sanft und scheu, gefühlvoll und gelegentlich melancholisch, zögernd und alles andere als zielstrebig – der Fische-Mann Michail Gorbatschow. Sein Schicksal für 1989 steht nicht nur in den Sternen, sondern erstmals auch in einer sowjetischen Zeitung. Für die Moskowskaja Prawda blickte Eremeji Parnow in die Zukunft. Der Astrologe verheißt dem sowjetischen Partei- und Staatschef nur Gutes, nur eitel Harmonie zwischen Himmel und Erde. Nichts blieb dem forschenden Auge des Sterndeuters verborgen, und so durfte er es sogar wagen, vom entschlußfreudig-energischen Gorbatschow ein weich getöntes Gegenbild zu zeichnen: Ein Melancholiker an der Macht – welcher Hardliner in der CIA oder beim KGB hätte das gedacht?

Terror-Umzug

Der Terror des „Leuchtenden Pfades“ hat in Peru wieder einen traurigen Erfolg erzielt. Das von 22 Ländern und 15 Organisationen unterstützte Internationale Kartoffelinstitut, ein multilaterales Forschungszentrum, wird „aus Sicherheitsgründen“ nach Ecuador umziehen. Alle Anlagen, Labors, die Bank für Keimplasma und die Samenbank sollen aus der peruanischen Hochebene verlegt werden, nachdem die Terroristen mehrere Sprengstoffanschläge gegen Einrichtungen des Instituts verübt und Morddrohungen gegen das Personal verbreitet haben. Vor drei Jahren wurden fünf Mitarbeiter ermordet, die Bauern schulten. Peru ist das Ursprungsland der Kartoffel, deren Anbau angesichts der katastrophalen Versorgungslage in Peru forciert wird.

Der verlorene Philosoph

Zwanzig Jahre konnte (und wollte) er nicht wieder heimreisen. Doch zur Jahreswende kehrte er zurück zu alten Freunden, zu den vertrauten Studien- und Arbeitsplätzen in Lodz und Warschau. Er stellte sich der Wirklichkeit jenes Systems, das er seit 1956 nicht aufhörte geistreich und fundiert, bitter und bissig zu kritisieren: Leszek Kolakowski, Philosoph und Dissident, 1966 aus der Partei ausgeschlossen, 1968 von der Universität geworfen. Am Anfang sei er aufgeregt gewesen und habe sich gefragt, ob er noch eine gemeinsame Sprache mit der jungen Generation fände, bekannte er in der Zeitschrift The Warsaw Voice. Am Ende war er schockiert und pessimistisch: „Polen ist im Zustand einer zivilisatorischen Regression, einer Degradierung. Eine gängige Meinung besagt, daß wir untergehen könnten – mit all den Kalamitäten des Sozialismus und den Krankheiten des Kapitalismus.“