Neuer Fahrplan: Im „Colosseum" nach Rom

Auf der europäischen Fahrplankonferenz in Florenz stellten Experten von 25 Bahnen die Weichen für die grenzüberschreitenden Züge in den nächsten zwei Jahren. Über mehr als 400 Fahrplananträge mußte beraten werden. Wenn am 28. Mai 1989 der neue Jahresfahrplan der europäischen Eisenbahnen in Kraft tritt, wird beispielsweise erstmals eine unkonventionelle Verbindung von London nach Hamburg ausprobiert, mit einer Fährüberfahrt zwisehen Harwich und der Hansestadt und Anschluß an das Intercityund das Eurocity-Netz. Der „Austria- Expreß" fährt zukünftig nicht mehr ab Hoek van Holland (mit Anschluß von London) über Rotterdam-Venlo-Köln und Mannheim, sondern ab Amsterdam über Emmerich und Köln und weiter über Frankfurt-Würzburg-München nach Salzburg, mit Wagen nach Graz und Klagenfurt. Die Verbindung von London über Hoek van Holland bis Köln übernimmt der neue „Britannia-Expreß".

Die Nachtverbindung Niederlande-Schweiz-Italien wurde überarbeitet: Der „Holland-Italien-Expreß" verbindet im Sommerfahrplan Amsterdam, Duisburg, Köln mit Rimini, im Winter mit Ventimiglia. Wegen der Verbindung nach Ventimiglia entfällt dafür der „Riviera-Expreß" im Winterfahrplan. Erstmals wird der „Schweiz-Expreß" von Dortmund nach Basel mit Kurswagen nach Brig unterwegs sein. Von Frankfurt aus fahren erstmals der EC „Colosseum" nach Rom und der EC „Matterhorn" nach Brig und ersetzen damit Inter-City-Züge auf der Strecke Frankfurt-Basel.

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Der „Donaukurier", ein neuer Eurocity zwischen Dortmund und Budapest, ist nach dem EC „Lehar" der zweite dieser Züge, die in ein sozialistisches Land fahren. In den Sommerfahrplan wird auch eine Direktverbindung zwischen Köln und Gdynia/Polen mit dem „Hummel- Expreß" aufgenommen. Ab München rollt zukünftig täglich ein direkter Zug nach Karlovy Vary über Schirnding-Cheb. Ebenfalls im Sommer tritt an Stelle des alten „Hellas-Expreß" der „Attika", der einmal pro Woche einen Autotransportwagen mitführt.

In der Verbindung Paris-Frankfurt werden die Fernzüge im Fahrplan neu geordnet, so daß sie dann in einem Vierbeziehungsweise Zwei-Stunden-Rhythmus verkehren. Ein neuer Eurocity namens „Maurice Ravel" soll zwischen Paris und München verkehren.

Die Eurocity-Züge „Schweizerland" und „Gottfried Keller" von München nach Zürich werden bis Bern verlängert. Durch Zusammenfassung zweier Schnellzugverbindungen entsteht ein durchgehender Zug Prag-München-Zürich. Euro- City „Hermann Hesse" fährt täglich zwischen Stuttgart und Mailand, ebenso EC „Barbarossa".

München und Graz erhalten eine neue EC-Direktverbindung mit Anschlüssen an das Eurocityund Intercity-Netz in München; ein Zugname wird noch gesucht.

Die Betriebsdirektoren der europäischen Bahnen haben auf ihrer Florentiner Konferenz beschlossen, eine Sonderstudie über die Einführung „eines europareifen Taktverkehrs" ausarbeiten zu lassen. Wegen des für 1991 anvisierten Ausbaus des Hochgeschwindigkeitsverkehrs in Deutschland wollen neun Nachbarbahnen ihre Fahrpläne neu gestalten. Eine grundlegende Überarbeitung der bisherigen Planungen wird aber ohnehin fällig, sollten die Schnellstrecken zwischen Paris/Ärmelkanaltunnel und Brüssel, Amsterdam und Köln tatsächlich zustande kommen. H.L.

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