Die wirre Planung beim Neubau kostet den Steuerzahler Milliarden

Von Karl-Heinz Büschemann

Die Idee entstand schon Anfang der sechziger Jahre und war die Folge einer schrecklichen Katastrophe. Weil ein auf dem Münchner Flughafen Riem gestartetes britisches Verkehrsflugzeug mitten in der City der bayerischen Landeshauptstadt einen Kirchturm gestreift hatte, auf eine verkehrsreiche Kreuzung gestürzt und explodiert war, begannen die Politiker in Rathaus und Landtag sogleich mit der Suche nach einem Ersatz für ihren in unmittelbarer Stadtnahe liegenden Flughafen. Schon bald waren auch die ersten Zahlen bei der Hand: 800 Millionen Mark, so die damaligen Schätzungen, würde ein sicherer Ausweichflughafen wohl kosten.

Bis heute hat sich die Idee vom schlichten Ersatzflughafen zu einem Riesenprojekt für einen internationalen Airport als Luftverkehrsdrehkreuz über dem Süden der Republik entwickelt. Allerdings: Es kann niemand mehr sagen, wann es fertig wird und vor allem, was es den Steuerzahler tatsächlich kostet. Der Flughafen München II ist zu einem Beispiel gigantischer Fehlplanung geworden.

Während nahe München im Erdinger Moos derzeit zwei Landebahnen und gewaltige Hochbauten in Beton gegossen werden, gibt es auf die Kostenfrage nicht nur eine, sondern gleich sehr viele Antworten. Bayerns CSU-Finanzminister Gerold Tandler zum Beispiel berichtete gerade den staunenden Abgeordneten im Münchner Landtag, der neue Flughafen werde 5,2 Milliarden Mark kosten. Er müßte es eigentlich wissen, denn die Flughafen München GmbH (FMG), die den neuen Airport baut, gehört schließlich dem Land Bayern. Doch in den schriftlichen Veröffentlichungen der FMG ist schon längst von sechs Milliarden Mark die Rede, die das geländefressende Riesenprojekt voraussichtlich kosten wird. Dazu kommen noch eine Milliarde für den Grundstückserwerb und die unbekannte Summe für die Kreditzinsen. Wer aber auch diese Zahlen noch nicht glauben mag, der muß sich an den Chef der FMG, Roman Rittweger, wenden. Denn von ihm stammt die bislang wohl einzig seriöse Auskunft über den Preis des neuen Flughafens: „Eine genaue Zahl kann ich nicht nennen.“

Die Ratlosigkeit des FMG-Chefs kommt nicht von ungefähr. Er hat mit Prognosen über die Kosten des Münchner Flughafenneubaus schon leidvolle Erfahrungen machen müssen. Kaum wurde einmal eine Zahl in die Welt gesetzt, schon war sie wieder überholt. Und das hängt natürlich auch damit zusammen, daß der neue Münchner Airport nun schon seit über zwanzig Jahren geplant wird.

Richtig in Bewegung gerieten die Prognosen in den vergangenen Jahren. Die Zahlen explodierten geradezu. Schätzte die FMG die Baukosten 1984 noch auf 2,6 Milliarden Mark, so sprach sie nur drei Jahre später schon vom Doppelten. Kein Wunder, daß die SPD im Bayerischen Landtag bei heute offiziell zugegebenen sieben Milliarden Mark – also fast einer Verdreifachung binnen fünf Jahren – von einer „rasanten Kostenentwicklung“ spricht.