Von Andreas Molitor

Das Beunruhigende an der Person Eichmanns war doch gerade, daß er war wie viele und daß diese Vielen weder pervers noch sadistisch, sondern schrecklich und erschreckend normal waren und sind.

(Hannah Arendt Eichmann in Jerusalem)

Wolfersheim

Wer mit der Bahn von Friedberg nach Wölfersheim fahren will, muß zeitig am Bahnsteig sein, denn der Zug ist pünktlich. Und man muß gut aufpassen, daß man auch im richtigen Wagen sitzt. Ab Beienheim fährt der vordere Zugteil nämlich weiter nach Nidda, und nur wer in einem der hinteren Waggons sitzt, kommt auch nach Wölfersheim. Rechts und links wechseln sich Wiesen, Acker und kleine Dörfer ab. Ein älterer Mann ist über dem Lokalteil der Wetterauer Zeitung eingenickt, ein Mädchen löst Kreuzworträtsel. In Melbach macht der Zug noch einmal kurz Halt. Dann kommt Wölfersheim.

Wölfersheim, 8300 Einwohner, 40 Kilometer nordöstlich von Frankfurt im hessischen Wetteraukreis gelegen – das ist der Ort, wo die NPD bei den Kommunalwahlen am vorletzten Sonntag 17,5 Prozent der Stimmen holte und jetzt sechs von 31 Sitzen in der Gemeindevertretung hat. Die Rechtsextremen konnten sogar die CDU übertreffen, die von 31,5 auf 17,4 Prozent rutschte. Die seit eh und je regierende SPD verlor ihre absolute Mehrheit und kam auf magere 34,5 Prozent, die Grünen sind mit 4,9 Prozent draußen, eine Freie Wählergemeinschaft kam aus dem Stand auf 25,6 Prozent.

Mit seinen 17,5 Prozent für die NPD steht Wölfersheim, ein ansonsten unbedeutendes Nest, im Rampenlicht – wie schon vor vier Jahren, als die Rechtsaußen auf 11,4 Prozent kamen, und das zu einem Zeitpunkt, als die NPD schon totgesagt war.