Tief im Sumpf

Ein Trost, immerhin, bleibt Helmut Kohl. So tief wie sein japanischer Amtskollege Noboru Takeshita wird er, kann er in der Gunst der Bürger nicht sinken. Gerade noch 3,9 Prozent der Wähler, so das niederschmetternde Ergebnis der jüngsten Meinungsumfrage, haben Vertrauen zu dem Premier in Tokio – ein bis dahin unerreichter Minusrekord.

Aber Takeshita, bis zur Halskrause im Sumpf des Recruit-Bestechungsskandals eingesunken, gibt nicht auf, noch nicht. Dabei hat er gerade einräumen müssen, daß er von Recruit 2,15 Millionen Mark für seine Parteischatulle kassiert hat, auch im neureichen Japan kein Pappenstiel. „Ihre Hände sind schmutzig. Nur Ihr Rücktritt kann Japans Demokratie retten!“ schleuderte ihm der sozialistische Abgeordnete Kanji Kawasaki im Parlament entgegen.

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Der Skandal ist ohne Beispiel: Drei Minister sind gestürzt, Recruit-Firmengründer Hiromasa Ezoe und mit ihm dreizehn Gehilfen und Begünstigte sitzen in Untersuchungshaft, die Staatsanwaltschaft brütet über den Akten des Premiers und seines Vorgängers. Takeshita aber, darin dem Kanzler nicht unähnlich, zeigt Beharrungsvermögen. „Ich nehme alle Kritik aufrecht stehend entgegen“, erwiderte er dem Abgeordneten Kawasaki. Sprach’s – und blieb im Amt. Den Japanern verschlägt es allmählich die Sprache. M.N.

 
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