Von Otto Köhler

Die Ablösung eines Hochschullehrers sei faktisch nur möglich, wenn die Voraussetzungen zu seiner Entmündigung vorlägen. So stöhnte gerade erst Bayerns Wissenschaftsminister Wolfgang Wild am Ende einer Sitzung des kulturpolitischen Landtagsausschusses, der sich drei Stunden lang unter Ausschluß der Öffentlichkeit mit den Vorwürfen gegen den Würzburger Professor Lothar Bossle beschäftigte (DIE ZEIT vom 4.11. und 16.12.1988). Jetzt hat der Minister noch einen Professor, den Bayern so leicht nicht loswerden kann.

Der Vorgang, der zu dieser Professur führte, hat etwas von Präzision und Promptheit einer Barzahlung – auch von ihrer Eleganz. Am 16. Februar 1989 meldete das Amtsblatt der Bayerischen Staatsministerien für Unterricht und Kultus und Wissenschaft und Kunst, daß es von nun an eine öffentliche Stiftung des bürgerlichen Rechts mit Sitz in Bayreuth namens Natalie-Rabenalt-Stiftung gebe, deren „Zweck“ die „Förderung der musiktheaterwissenschaftlichen Forschung an der Universität Bayreuth“ sei. Das erste Forschungsergebnis stand bereits am 10. März in der Bayerischen Staatszeitung: „Arthur Maria Rabenalt, der bekannte Schriftsteller und Regisseur, wurde zum Honorarprofessor an der Universität Bayreuth ernannt.“

Kapital und Ertrag

Alsbald in Bayreuth umherlaufende Gerüchte, Rabenalt habe der Universität für seinen schönen neuen Professorentitel eine Millionensumme gezahlt, hatten kurze Beine.

Der Nordbayerische Kurier, der ungeniert über das aktuelle Universitätsgeschehen und auch darüber berichtete, daß der Musiktheaterwissenschaftler Professor Sieghart Döhring, der die Professur für Rabenalt beantragt hatte, von einer Stiftungssumme von 100 000 Mark gesprochen habe, bekam eine Gegendarstellung. Sie stammte nicht von Döhring selbst, der dazu anscheinend nicht mündig genug war, sondern vom Vizepräsidenten der Universität, Professor Harro Otto. Sie lautet: „Unwahr ist die Behauptung, „Professor Sieghart Döhring sprach von einer Stiftungssumme von 100 000 Mark’. Wahr ist, daß Professor Döhring in dieser Angelegenheit dem Kurier gegenüber nichts erklärt hat. Er hat auch Dritten gegenüber keinen Geldbetrag von 100 000 Mark erwähnt.“

Vizepräsident Otto ist Jurist, Präsident Klaus Dieter Wolff auch. Ihn fragte ich letztes Wochenende nach der Hohe des Betrages. Rabenalt, so sagte er mir, habe eine Stiftung errichtet, die „zwischen fünf- und zehntausend Mark jährlich“ abwerfe. Noch in Unkenntnis der Gegendarstellung fragte ich: „Aber Herr Döhring soll nach Pressemeldungen von einer Summe von 100 000 Mark gesprochen haben.“ Der Präsident: „Ja, Stiftungsbetrag, das ist das Kapital – was ich Ihnen erzählt habe, ist der Ertrag.“