Auch die jüngste Krise ist überstanden: Franz Greno bleibt als Buchkünstler verantwortlich, hat die Buchreihe über verkauft an den Eichhorn Verlag.Der schöne Traum bleibt wahr

Oft totgesagt, immer wieder gerettet: das tollkühne Unternehmen von Hans Magnus Enzensberger, „Die Andere Bibliothek“ – alte und neue, immer schöne Bücher, von Hand gesetzt, in Blei gedruckt, nach alter Handwerkstradition hergestellt.

Ein Gespräch mit Vito von Eichborn Hans Magnus Enzensberger und Franz Greno

DIE ZEIT: Herr Greno, in der Süddeutschen Zeitung liest man, Sie seien „pleite“. Die Frankfurter Rundschau überschreibt einen ähnlichen Artikel gleich mit dem k.o.-Ruf: „Aus“. Stimmt das?

FRANZ GRENO: Nein. Nichts stimmt. Und es macht mich schon traurig, daß Journalisten nicht mal anrufen, ehe sie solche Totschlag-Meldungen in die Welt setzen. Ich bin bis heute nicht zum Konkurs-Richter gegangen und werde es auch nicht tun. Und erst dann dürfte man doch über ein wirtschaftliches Unternehmen sagen, es sei pleite, also zahlungsunfähig. Es besteht aber kein Grund, an der Zahlungsfähigkeit des Greno Verlages zu zweifeln. Bisher ist noch jede Rechnung bezahlt worden.

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Weshalb dann solche Horror-Meldungen? Gibt es wirtschaftliche Schwierigkeiten

FRANZ GRENO: Der Greno Verlag ist in Bedrängnis geraten. Aber der Verlag hat nicht Konkurs angemeldet. Die Spielregeln, nach denen der Verlag vor fünf Jahren angetreten ist, sind nach wie vor dieselben: Jeden Monat erscheint ein neuer Band der von Hans Magnus Enzensberger herausgegebenen „Anderen Bibliothek“ zum Preis von jetzt 36 Mark. Dafür bietet jedes Buch individuelle Typographie, angenehmes Oktav-Format, holz- und säurefreies Papier, lesefreundlichen Monotype-Bleisatz – bis in das eigens gefertigte Überzugspapier für jeden Band und die grünen, goldgeprägten Rückenschilder Handarbeit, wie es sie heute im Verlagswesen auf der ganzen Welt nicht mehr gibt.

Das klingt ja so, als ob man Ihnen nicht Beileid aussprechen, sondern mit Ihnen jubeln müßte. Was ist denn passiert

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