Den anarchistischen Witz, den rockmusikalischen Biß und die interpretatorische Souveränität ihres ersten Albums von 1978 hatte die als "Punk Lady" apostrophierte Berlinerin bislang nicht wieder erreicht. Obwohl sie mit machtvoller Stimme und überdimensioniertem Selbstbewußtsein mühelos die Musikszene beherrschen konnte, in Metropolen wie New York oder London zur Kultfigur wurde und in ihrer Heimat selbst kleinbürgerlichen Kreisen fern von Sex and Drugs and Rock n Roll ein Begriff war, schlingerte ihre Karriere dahin. Zu oft flippte sie freiformal aus, vertändelte ihr Talent mit banalem Spdnti Material, legte sich musikalische Begleiter zu, die noch nicht einmal abseitiges Format hatten. Doch nun hat sie sich wieder zu längst verloren geglaubter Brillanz aufgerafft. Ihr neues Album bietet kraftvollen, kommerzorientierten, weißen Funk Rock, der als Hintergrund für andere Sänger möglicherweise banal geklungen hätte. Nina fügt sich in diesen glatten Kontext scheinbar diszipliniert ein, läßt aber ihre stimmlichen Charakteristika, die sie so erfreulich unberechenbar gemacht haben, durchaus hören. So werden Janis Joplins "Move Over", Elvis" "Viva Las Vegas", Herman Broods Anti Drogen Tirade "Dope Sucks", der "Gorbatschow Rap" von Stiefvater Wolf Biermann, das "Ave Maria" und diverse Eigenkompositionen wie "Super Freak Family" zu Kabinettstücken einer souveränen Sängerin, die ihr Pop Handwerk versteht. Schrille Hommage und kesse Parodie greifen ineinander. Genau das war stets die Essenz glorios kitschiger Popmusik. Barry Graves Nina Hagen: Nina Hagen MercuryPolyGram 838 505 2