Was haben zwei antike Göttinnen, ein indianischer Totempfahl, japanische Kirschbäume, ein Geschirrspüler, fünfzig Millionen Zuckerwürfel und viele, viel? Strampelanzüge gemeinsam?

Eigentlich gar nichts. Außer, daß sie sich allesamt vortrefflich als Geburtstagspräsente für eine betagte Jubilarin von Adel und einnehmendem Wesen eignen – für unsere Bundeshauptstadt Bonn. Die feiert bekanntermaßen in diesem Jahr ausgiebig und mit allem Brimborium ihr 2000jähriges Bestehen.

Seit Monaten jagt ein „Fest der Kontinente“ das nächste Gala-Feuerwerk. Und da mit rheinischem Charme ein paar kleine Nebenjubiläen – vierzig Jahre Bundesrepublik und Grundgesetz – gleich mit vereinnahmt wurden und somit der stetige fliegende Wechsel von Stadt- und staatstragenden Festivitäten gesichert ist, gilt für die im Feiern konditionsstarken Hauptstädter mehr denn je das Motto Bonner Bürgerstolzes: It is an honour to be a Bonner!

Auch viele Nicht-Bonner wollen der hochwohlgeborenen Jubilarin ihr Wiegenfest verschönen – über den Tag hinaus und sogar auf Bestellung. Denn Bonns gewiefte Stadtväter hatten sich lange vor dem Start der Marathon-Fete eines ebenso liebenswerten wie lukrativen Brauchs aus Kindheitstagen erinnert: Sie schrieben einen „Wunschzettel“.

Es entstand ein gut hundertseitiger Katalog voller Geschenkideen und Denkanstöße für die vielen, die (so der Oberstadtdirektor wörtlich und ohne falsche Zurückhaltung) „der Residenz am Rhein ihre Großzügigkeit und Sympathie erweisen“ wollen. Und da man sich – ob Großbank oder Multikonzern, ob Botschaft oder vermögender Privatmäzen – in so einem Fall nicht lumpen läßt, dürfen sich alle Bonner und Bonn-Besucher freuen.

Da erhielten also auf Kosten einer Bank die arg verwitterten, aus Sandstein gehauenen Göttinnen Demeter und Minerva – im, sagen wir, Bundeskabinett der Antike waren sie zuständig für die Ressorts Fruchtbarkeit und Weisheit – ein gründliches face lifting. Die Kanadier schickten zur Feier der Jubilarin einen echten Indianerhäuptling über den großen Teich, um den vor zehn Jahren zur Bundesgartenschau in der Rheinaue aufgestellten Totempfahl aufzupolieren.

Japan schenkte nicht nur ein noch grandioseres Feuerwerk als die Chinesen, sondern auch Kirschbäume vom Fuß des Fujijama. Der von einem Elektrokonzern für ein Bonner Altenheim gesponserte Geschirrspüler wurde in der Lokalpresse gebührend als „Beweis der Verbundenheit der örtlichen Wirtschaft und der Stadt“ gewürdigt.