Ein Nachruf aufs Leben im Dornröschenschloß

Von Martin Ahrends

„Darin dachte unser Freund Herkules richtiger, der fünfzig Mädchen in einer Nacht für das Heil der Menschheit beschäftigen konnte, und zwar heroische. Er hat auch gearbeitet und viel grimmige Untiere erwürgt, aber das Ziel seiner Laufbahn war doch immer ein edler Müßiggang, und darum ist er auch in den Olymp gekommen. Nicht so dieser Prometheus, der Erfinder der Erziehung und Aufklärung. Von ihm habt ihr es, daß ihr nie ruhig sein könnt und euch immer so treibt;...“

Friedrich Schlegel: „Idylle über den

Müßiggang“, aus „Lucinde“

Da lagen sie im Staub des Grenzlandes, lagen im Scheinwerferlicht der öffentlichrechtlichen Anstalten, und vor den surrenden Kameras fielen ihnen die großen Gesten ein, die sie aus dem Fernsehen kannten, denn ins Fernsehen sollten sie ja nun auch. Und dann sehen wir, wie der Boden geküßt wird, das arme, zerlatschte Gras: Freiheit!, Freiheit!

Diese Freiheit ist immer anderswo, es ist immer die Freiheit, die man gerne hätte und nie die Freiheit, die man hat. Vielleicht, nach ein paar Jahren, gibt es für sie auch so etwas wie eine Freiheit des Ostens, das Pendant zur West-Freiheit, das ihnen aus verklärender Erinnerung erblühen wird.