Zur Einheit per Diktat?

„Bis zur Vollendung der Einheit haben wir noch eine schwierige Wegstrecke vor uns. Es gibt Ängste, es gibt Probleme, wer wollte sie leugnen, aber ich bin sicher, wir werden diese Herausforderung bestehen.“

Helmut Kohl

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„Wer heute rasch und gern nur von einer instabilen DDR oder deren schwierigen Wirtschaft spricht, muß sich am Ende auch befragen lassen, ob man den Preis der Vereinigung nicht zu sehr zu Lasten des Volkes drücken will.“

Hans Modrow

Geschichte ist unaufhaltsam – und zwiespältig. Stabilität in Europa, das zeigt sich immer klarer, läßt sich ohne den deutschdeutschen Ausgleich nicht mehr herstellen. Doch je schneller die Dinge auf die Vereinigung der beiden deutschen Staaten hintreiben, desto deutlicher zeichnen sich zugleich neue Risiken ab. Sie ergeben sich schon aus dem Unterschied der Geschwindigkeiten, in denen Deutschland und Europa zusammenwachsen.

Ginge es nur darum, jene innerdeutsche Völkerwanderung zu stoppen, die hüben wie drüben die Gesellschaften zu unterspülen droht, so müßte die Parole lauten: Einheit der sozialen, wirtschaftlichen und politischen Ordnung, und dies so schnell wie möglich. Im Hinblick auf das Verhältnis der sich neuerlich verbindenden Deutschen zu ihren Nachbarn in Ost und West jedoch hätte im Gegenteil zu gelten: Zusammenwachsen so langsam wie möglich.

Was zum Schlußstein einer neuen europäischen Friedensordnung hätte werden können, die deutsche Einheit nämlich, soll nun zum Grundstein des gemeinsamen europäischen Hauses taugen? Wenn Architekten First und Fundament verwechseln, kommt es zur Katastrophe. Welche Folgen wird die Verkehrung der Prioritäten haben?

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