Mit Ballons gegen Tiefflieger Heiliger Zorn der Pfarrer

Der katholische Pfarrer Peter Mayr spricht: „Tiefflüge sind die eklatantesten, unsinnigsten, auf die Nerven gehendsten Fehlleistungen abendländischen Geistes und deutscher Technologie — wir dürfen uns das nicht länger bieten lassen!" Im Kursaal von Oy Mittelberg wird es mucksmäuschenstill. Der fünfzigjährige Geistliche aus Trauchgau im Pfaffenwinkel genießt Autorität. Sein Kollege Konrad Müller aus Oy pflichtet ihm bei: Zu lange hätten sich vor allem katholische Pfarrer nur um Liturgie, innerkirchliche Veranstaltungen und Frömmigkeit gekümmert.

„Lassen wir uns nicht einschüchtern", ruft Pfarrer Mayr seinen 200 Zuhörern zu, die der offiziellen Einladung des Bürgermeisters gefolgt sind, um eine gezielte Aktion gegen den Tieffluglärm vorzubereiten „Diese Aktion ist die schönste, friedlichste und humorvollste Art von Demonstration!"

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In fünfzig Ortschaften im Allgäu und in Oberbayern sollen an einem noch geheimgehaltenen Tag mehr als 2000 große und 2000 kleine Luftballons aufsteigen und somit ein Zeichen des Protestes gegen den Tieffluglärm setzen.

Schon einmal, im Herbst 1988, gab es eine Ballon Protestaktion im Allgäu. Pfarrer Peter Mayr und seine Mitstreiter ließen danach dreißig große Luftballons in den Allgäuer Himmel steigen. Dort blieben sie freilich nicht lange, denn das Luftamt Südbayern ließ die Ballons durch die Polizei einholen. Es handele sich um Fesselballons, die einen gefährlichen Eingriff in den Luftverkehr darstellten, wurde argumentiert. Auch heute meint die Regierung von Oberbayern, der das Luftamt Südbayern unterstellt ist, die Luftballons seien genehmigungspflichtige Luftfahrzeuge. Selbst das Bischöfliche Ordinariat in Augsburg und das Evangelisch Lutherische Landeskirchenamt in München sind inzwischen schriftlich aufgefordert worden, die Pfarreien und Pfarrstellen im betroffenen Gebiet anzuhalten, das Aufblasen der BaiIons anzumelden.

Bei den 52 katholischen und evangelischen Pfarrern, die inzwischen eine Resolution gegen den militärischen Tiefflug verfaßt haben, ruft dieses Verhalten nur Kopfschütteln hervor „Das sind und bleiben Luftballons, und wenn das Luftämt Südbayern noch so gerne Luftfahrzeuge daraus machen möchte, und Luftballons sind nun mal nicht genehmigungspflichtig", sagt der evangelische Pfarrer Horst Drosihn. Sein Kollege Peter Mayr empört sich in einem Brief an das Luftämt Südbayern: „Sowenig wie ein Mofa ein schweres Motorrad ist, sowenig ein Traktor ein LeopardPanzer ist, sowenig ist ein größerer Luftballon ein Fesselballon Solche Verdrehungen, um daraus Ordnungswidrigkeiten konstruieren zu können, sollten eigentlich seit dem Dritten Reich endgültig vorbei sein!"

Die Pfarrer wollen sich nicht einschüchtern lassen, obwohl das Luftamt angekündigt hat, wer Fesselballons aufsteigen lasse, könne mit einer Geldstrafe bis zu 10 000 Mark bestraft werden. Wenn von ihnen verlangt werde, die Aktion anzumelden, dann sollten sich gefälligst künftig auch die Tiefflieger anmelden, die, neunzig bis hundert an einem sonnigen Tag, über die Ortschaften hinwegdonnern, fordert Peter Mayr „Auch wir hier sind das Volk und werden in Zukunft mehr als bisher dazu stehen", zitiert er die Resolution, die inzwischen auch der Priesterseelsorger der Augsburger Diözese, der Rundfunk- und Fernsehprediger Pater Theo Schmidkonz, unterzeichnet hat. Meldungen aus dem Bundesverteidigungsministerium, Tiefflüge würden bald reduziert, trauen weder die Pfarrer noch der Landesverband der Bayerischen Tieffluggegner „Das wird doch alles tagtäglich nur noch schlimmer", schimpft der Landesvorsitzende der Tieffluggegner, Christoph Bornebusch.

Das Verteidigungsministerium bestätigt, daß das Tiefflugkonzept vorerst nicht geändert werde. Der Bundesverteidigungsminister, sagt Luftwaffensprecher Kurt Wolfgang Fredemann, lasse überprüfen, ob bei einem Erfolg der Wiener Abrüstungsverhandlungen Reduzierungen beim Tiefflug möglich seien.

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