Bewegung am Kap

Verhandlungen in Südafrika

Von Marion Gräfin Dönhoff

Endlich steht fest: Auch in Südafrika sind die Dinge unwiderruflich in Bewegung gekommen. Noch gilt es, viele Hindernisse aus dem Weg zu räumen, sicher aber ist, daß Südafrika aus der Isolierung, in der es sich jahrelang befand, herausgefunden hat.

Ganz deutlich wurde dies jüngst bei den Unabhängigkeitsfeiern in Namibia. Die Organisation für Afrikanische Einheit (OAU), die bisher jeden Kontakt mit Südafrika ablehnte, hat dort unter Führung ihres ägyptischen Vorsitzenden Mubarak gemeinsam mit Staatspräsident de Klerk beschlossen, Gespräche zwischen OAU und Pretoria vorzubereiten. In Windhoek hat de Klerk mehr als ein Dutzend Staatschefs und Außenminister getroffen, unter ihnen auch einige, die sich bisher geweigert hatten, in Beziehung zu Pretoria zu treten. Südafrika ist in den Kreis der zivilisierten Länder zurückgekehrt.

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Dies wird auch daran deutlich, daß de Klerk im Mai der erste südafrikanische Staatschef seit vielen Jahren sein wird, der eine Rundreise durch Europa macht; sie wird ihn in die Metropolen von sieben Staaten führen. Soeben waren überdies drei Außenminister von EG-Mitgliedstaaten zu Verhandlungen in Kapstadt, außerdem der Vizepräsident der EG-Kommission, Frans Andriessen.

Das wichtigste schließlich, was die Wende festschreibt: Am 2. Mai wird die erste offizielle Zusammenkunft zwischen der Regierung und dem African National Congress (ANC) zur Vorbereitung der großen Verhandlungen stattfinden: talks about talks. Wenn alles so bleibt wie vorgesehen, dann bringt Nelson Mandela als schwarzer Verhandlungsführer eine Gruppe von zehn weiteren Oppositionellen mit, zu denen zwei Führer der United Democratic Front (UDF) gehören und auch zwei Weiße: Beyers Naudé, zuvor Generalsekretär des südafrikanischen Kirchenrats (SACC), und Joe Slovo, Generalsekretär der Kommunistischen Partei Südafrikas.

Diesen vorbereitenden Gesprächen, die voraussichtlich drei Tage dauern werden, folgt dann das große „Palaver“ zwischen der Regierung und den Schwarzen, das die Einigung über eine demokratische Verfassung herbeiführen soll. Die Chefs der beiden Delegationen, de Klerk und Mandela, die ganz offensichtlich Vertrauen zueinander gefaßt und sich beide als verläßliche Staatsmänner ausgewiesen haben, sind entschlossen, das strategische Ziel eines friedlichen, gleichberechtigten Miteinander nicht durch taktische Manöver gefährden zu lassen.

Beide Seiten stellen allerdings gewisse Vorbedingungen. Die Regierung will erreichen, daß der ANC auf Gewalt verzichtet, Mandela fordert im Namen des ANC die Aufhebung des Ausnahmezustands, die Freilassung der schätzungsweise 1000 politischen Gefangenen und die unbehelligte Rückkehr von etwa 30 000 im Exil Lebenden. Einstweilen sieht es so aus, als könne es gelingen, diese Bedingungen gegeneinander aufzurechnen.

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