Rascher Start, jäher Abbruch. Ulrich Becher, 1910 in Berlin geboren, ist gerade 22 Jahre alt, als bei Rowohlt sein Erzahlungsband mit dem schönen Titel „Männer machen Fehler“ erscheint. Als er 23 Jahre alt ist, wird diesem, „meinem ersten Buch die Ehre zuteil, mit dem Pradikat ‚entartet‘ versehen und unter den lenzlichen Linden vor der Berliner Universität von ein paar mir personlich bekannten Kommilitonen in die Bücherscheiterhaufen gepfeffert zu werden“. Es ist vor allem die Freundschaft mit dem Künstler George Grosz, die Becher ins Blickfeld der Nazibarbaren geraten läßt. Grosz, der schon dem Schüler Zeichenunterricht gegeben hat, verläßt Deutschland noch 1932, Becher folgt ein Jahr später seinem Beispiel. Über Österreich, die Schweiz und Portugal emigriert Becher zunächst nach Brasilien, wo er sich mit Artikeln für deutschsprachige Exilzeitungen über Wasser hält, bis 1944 die ersehnte Einreiseerlaubnis für die Vereinigten Staaten eintrifft. Seine Hoffnung, dort als Autor Fuß zu fassen, erfüllt sich nicht. Nach dem Krieg, 1948, kehrt er nach Wien zurück, später wird Basel Wohnort. Ein Theaterstück, noch in New York zusammen mit dem Schauspieler Peter Preses geschrieben, „Der Bockerer“, eine Posse über Österreich unter den Nazis, erlebt Ende der vierziger Jahre in Wien viele Aufführungen und wird auch in späteren Jahren immer wieder gezeigt. Der Erzähler Becher erfährt erst 1969 mit dem Roman „Murmeljagd“ nennenswerte Resonanz – der Autor ist mittlerweile fast sechzig. Dieses Buch bildet zusammen mit dem vier Jahre später publizierten Roman „William’s Ex-Casino“ den Kern von Bechers Werk: unterhaltsame, politische Prosa, Kriminal- und Eheroman in einem Fazit ist schon damals, 1973, die Uberzeugung, „daß es in dem Weltbürgerkrieg unseres Jahrhunderts immer weniger, weniger und weniger Unbeteiligte geben würde“. Der Stil Bechers? „Es ist Realismus, scharfe Beobachtung, gemischt mit einer Art Nebel.“ So charakterisierte Grosz einst treffend Stärken und Schwächen. Die beiden, Becher und Grosz, verband über Jahre und Entfernungen hinweg ein Briefwechsel, unter dem Titel „Flaschenpost“ vor kurzem erschienen (herausgegeben von Uwe Naumann und Michael Töteberg, Lenos-Verlag): ein spannendes Dokument der Exiljahre. Ulrich Becher ist, drei Monate nach seinem achtzigsten Geburtstag, in Basel gestorben. vhg