DAS LETZTE
Aller Anfang ist schön. „Mein schönes Fräulein, darf ich wagen, meinen Arm und Geheit Ihr anzutragen?“ – „Bin weder Fräulein, weder schön, kann ungeleitet nach Hause gehn.“ Das saß. Aber nicht für lange. Dann mußte die Nachbarin ihr Fläschchen ausleihen (nein, nicht das mit dem Schnaps, nein, nicht das fürs Baby), und noch ein paar Monate später entschwand das ehemalige Fräulein in die Gefilde der angeblich Seligen. So war das, im Jahr 1581 oder so.
Und heute? „Hier ist Ihr Kaffee.“ – „So einen Kaffee würde ich ja viel lieber privat mit Ihnen trinken.“ – „Warum nicht.“ Noch irgend was unklar? Nein, Sie haben es erraten, wir stehen mitten in der Geschichte der Liebespaare der Welt, der Liebenden der Spitzenklasse sozusagen, von Dante und Beatrice bis zu Helmut Kohl und Juliane Weber, von Hero und Leander bis zu F.J. Strauß und Renate Piller, von Rosa von Praunheim und Evelyn Künneke bis zu Romeo und Julia, von – ach, wir geraten ins Schwärmen und möchten uns verlieren in des Meeres und der Liebe Wellen. Aber das Leben wirft uns zurück in die rauhe Realität des Rothenbaum zu Hamburg. Kurz: zu Karen und Boris.
Aller Anfang war schön, bei Faust und Gretchen, bei Boris und Karen. Ohne Arm und Geleit und unter Auslassung der Briefmarkensammlung direkt zum Kaffee! Auch nicht dieses Abfangen beim Kirchgang und Herumwandeln im Garten, die Entscheidung fiel in den Gefilden von Hamburgs gräßlichstem Betonklotz, der mitten in eine der schönsten Wohngegenden gegaunert wurde. Aber, ob zwischen Staketen oder im Beton: Eine Marthe Schwertlein ist immer dabei, auch wenn sie Ion Tiriac heißt. Oder war es Carlo Thränhardt, der Hochspringer (?), der schon so überraschenderweise im Bericht des ZEITmagazins auftauchte, das dabei war, jawohl, als Boris in Kalifornien einen Werbespot für Milch aus dem Allgäu drehte. Damals, im ZEITmagazin vom 27. April, da „schlenzt Boris zu seiner Karen, und die beiden knuddeln (nordd. für Schmusen, d. Red.) und schäkern ein wenig“.
Und nun im Mai ist alles vorbei. Boris, so lesen wir zum Turnierbeginn, hat ein paar wichtige Entscheidungen getroffen. Klar, wo er in Hamburg auf Sandplatz spielt, der ihm nicht liegt. Karen schaut sich noch sein Spiel an, aber ein Glas Sekt trinkt sie mit Henri Leconte, und bei der Players Night scherzt sie mit anderen. Keine Traurigkeit können die entgeisterten Kollegen vom Sport bei ihr entdecken. Aber natürlich ist etwas anderes viel wichtiger: Wer ist die Neue von Boris? Denn auch im Jahr 1990 gilt doch immer noch die Regel von 1581 oder so, daß ER natürlich SIE sitzengelassen hat. Wir aber erlauben uns die zeitgemäße Hochrechnung, derzufolge die „Professorentochter aus Hamburg und hübsche Sprachstudentin“ genug hatte von dem Bobele aus Leimen. Und der ging ja im Finale auch unter wie ein Dampfer mit Schlagseite. „Mist“, schrie er dreimal. „Es war die Lerche und nicht die Nachtigall“, könnte die Sprachstudentin irgendwann gesagt haben.
Finis




