Jeden Morgen stand der junge Mann in blütenweißem Kittel auf der Verkehrsinsel und verkaufte den Autofahrern vor der roten Ampel aus einem Henkelkorb Frühstückstüten; desgleichen taten andere junge Leute an Stellen, wo es Staus und Stopps gibt. Das war, mit rasch wachsendem Erfolg, die Idee eines jungen Bonners. So manches morgenmuffelige Gesicht hellte sich da auf. Und man kennt sie ja aus vielen Ländern: die Zeitungs-, Eis- und Andenkenverkäufer zwischen den Autoschlangen.

Seit einigen Tagen aber ist es damit wieder vorbei. Die städtischen Bürokraten hatten ein Haar im Frühstücksbeutel entdeckt – fehlende Sondergenehmigung, Verkehrsgefährdung und so weiter. Der pfiffige junge Mann ist auf den ellenlangen Rechtsweg verwiesen. So geht das in der Stadt, die gerne Hauptstadt bleiben möchte.

Hans-Günter Hoppe ist richtig fröhlich, obwohl er – sozusagen – sein Ende vor Augen hat als Vorsitzender des Bundestagsausschusses für innerdeutsche Beziehungen. Ein wohlgelaunter Abgang erstaunt in der Welt der verfestigten Bonner Institutionen – abgesehen davon, daß ein solcher Posten Rang und Ansehen mit sich bringt.

Daß der Freidemokrat mit Ablauf der Legislaturperiode ohnehin quittieren wollte, tut dabei nichts zur Sache. Denn wenn nicht nur er, sondern auch die meisten der 25 Ausschußmitglieder gehobener Stimmung sind, dann deshalb, weil es ihre Runde nach der nächsten Wahl nicht mehr geben wird, ganz gleich, ob daraus noch ein Bundestag oder schon ein gesamtdeutsches Parlament hervorgeht. Wie beim innerdeutschen Ministerium sind ihre Tage gezählt – wegen Erledigung ihrer Aufgaben.

Ein spektakuläres Gremium ist der Ausschuß sowieso nie gewesen, vielmehr still und geduldig. Still, weil manches auf seiner Tagesordnung, zumal die humanitären Hilfen für die Landsleute in der DDR, alles andere als Aufsehen vertrug, und geduldig, weil die Teilung so lange zementiert erschien. Und die Konflikte zwischen denen, die sie zu überbrücken suchten, und jenen, die sie wie eine Wunde offenhalten wollten, fanden in der Regel hinter verschlossenen Türen statt. Aber gesamtdeutsch dachten, so oder so, die allermeisten.

Nun ist natürlich auch etwas Wehmut im Spiel, nach so vielen Jahrzehnten. Doch ein Ende wegen Gegenstandslosigkeit, dazu aus erfreulichem Anlaß – das überwiegt alle Nostalgie bei weitem.

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