Wie alle Treffen dieser Art zuvor wirft auch der Washingtoner Gipfel verwirrende Schatten voraus. Werden Bush und Gorbatschow in der nächsten Woche Geschichte schreiben oder sich mit einer Schraubendrehung im Verhältnis ihrer Länder begnügen? Nach der letzten Vorbereitungsrunde für die Begegnung bleibt das Ergebnis offen. Der Kreml gibt sich optimistisch, das Weiße Haus wartet ab.

Immerhin haben die Außenminister Schewardnadse und Baker bei ihren Vorgesprächen einiges auf den Weg gebracht. Für die Genfer Start-Verhandlungen wurden einige sperrige Hürden beseitigt, sie könnten nun endlich zu einer Verminderung der strategischen Waffenarsenale führen. Auch eine drastische Reduzierung der Chemiewaffen gerät in Sicht.

Als Barometer für die Beziehungen der Supermächte zueinander verliert die Rüstungskontrolle jedoch zusehends an Bedeutung. Wo die Bedrohung schwindet und Volkes Stimme wie wirtschaftliche Zwänge immer stärker die Militärausgaben begrenzen, gibt es verläßlichere Tests für den jeweiligen guten Willen. Bush wird deshalb nach dem Baltikum und Moskaus Haltung zu Deutschland fragen. Gorbatschow hat das lange ersehnte Handelsabkommen mit Amerika im Sinn. Beide haben einander viel zu erklären. Gelänge ihnen das, würde der Aufwand sich lohnen. D. B.