Wie viele Autoren und Autorinnen aus Ost- und Mitteleuropa zur 1. Internationalen Frühjahrsbuchwoche „Bayern liest grenzenlos“ nach München eingeladen waren – wer kann das wissen. Veranstaltungen, verstreut über Stadt und Land, die Termine hetzten sich. Wer hat wen kennengelernt im Vorbeischwirren?

Die Eingeladenen waren im Luxushotel „Hilton“ am Tucherpark untergebracht. Da verschwanden sie mal in der Tiefe des Samts, mal in der Verdoppelung des Marmors und der Spiegel.

Für den Luxus des Hotels wurde das Geld verbraucht. Da blieben für Honorare nur kleine Summen übrig. Die Eingeladenen aus den Ländern des Mangels hatten statt Geld in der Tasche das Glitzern des Swimmingpools vor den Füßen. Auf den Zimmern waren die Telephone für Gespräche außerhalb Münchens gesperrt. „Das haben die Organisatoren veranlaßt, ich kann es nicht andern“, sagte der Mann von der Rezeption. Ich fühlte mich gedemütigt an einem Ort, den ich auf eigenen Wunsch. nie betreten hätte. Von dem Ort und vom Mißtrauen der Organisatoren.

Am letzten Abend kam ich spät von einer Lesung. Ich hatte einen riesengroßen Blumenstrauß bekommen. Da ich am Morgen früh abreisen mußte, wollte ich den Strauß an der Rezeption lassen. „Wir brauchen ihn nicht“, sagte der Mann. Sein Gesicht war kalt und flach. Nur sein Mund zog sich so rasch nach unten, als hätte ich auf seinem Mundwinkel gestanden. „Wahrscheinlich darf er den Strauß gar nirgends hinstellen“, dachte ich, „Blumen und Wasser, wahrscheinlich darf er daran gar nicht denken.“

Ich ging kurz auf die Straße. Die Luft war lauwarm. An den hauseigenen Taxen leuchteten die gelben Würfel. Ich sah ein paar Sterne im Schwarzen und war nicht sicher, ob es Sterne sind.

„Wie viele Sterne hat das Hotel“, fragte ich mich. Ich hatte einen dicken Knoten im Hals. Herta Muller