Sehschärfe durch lasergefräste Hornhaut

Von Antje Büll

Für einige, die ihre Kontaktlinsen bereits in den Mülleimer geworfen und ihre Brillen als Erinnerungsstück in der Schublade verstaut haben, ist es klar: Die Revolution in der Augenoptik ist da. Statt der Sehhilfe vor dem Auge tragen sie jetzt die „Brille im Auge“ – mit Mikrometer-Genauigkeit in die Hornhaut eingefräst. Der Laser macht’s möglich.

Theoretisch ist die Behandlung ganz einfach: Bei der angeborenen Kurzsichtigkeit ist der Längsdurchmesser des elliptisch geformten Augapfels etwas größer als beim Normalsichtigen. Daraus resultiert eine fehlerhafte Brechung der Lichtstrahlen, die vor der Netzhaut ein scharfes Bild entstehen lassen. Zur Korrektur verändern Chirurgen einfach die Wölbung der äußeren Augenhülle. Durch ein Abschleifen der Hornhaut vergrößert sich der Brechungswinkel des einfallenden Lichtes und das scharfe Bild entsteht wieder auf der Netzhaut. Bei Weitsichtigkeit muß umgekehrt die Wölbung der Hornhaut vergrößert werden, um die Fehlsichtigkeit zu beheben.

Lebende Linse

Während Augenärzte mit der Korrektur der Weitsichtigkeit noch einige Probleme haben, eröffnen sich durch die Lasertechnik für die Behandlung der Kurzsichtigkeit neue Wege. Mit Hilfe sogenannter Excimer-Laser wird die hochempfindliche Augenhornhaut modelliert, das heißt durch Auskerbung wird eine Mulde geformt. Diese wirkt dann wie eine lebende Linse im Auge.

Doch ganz so einfach ist das „Hobeln“ der äußeren Augenhülle in der Praxis nicht. Mit der Verletzung der Hornhaut bilden sich unweigerlich Narben, die Hornhauttrübung verursacht und das Sehvermögen dadurch mindert. Deshalb konnte sich auch die Methode des russischen Augenarztes Swjatoslaw Fjodorow nicht durchsetzen, die vor Jahren in manchen Medien überschwenglich gelobt wurde. Er legte mit einem Diamantmesser sternförmig Schnitte um die Linse herum an (radiale Keratotomie), um so eine Abflachung der Hornhaut zu erzielen. Diese Handarbeit führte zu schwer berechenbaren und instabilen Resultaten. Als enttäuschte Patienten Haftpflichtansprüche stellten und es zu ersten Gerichtsverfahren kam, wich die anfängliche Euphorie bei den meisten Augenärzten, und die Behandlungen wurden zum Großteil eingestellt.