Beim umworbenen Berliner Verlag erhielt der wendige Brite den Zuschlag

Von Peter Marx

Für Überraschungen ist PDS-Chef Gregor Gysi immer gut. Und auch dieses Mal, im Bankettsaal des Ostberliner Hotels „Metropol“, wurde er nicht – wie monatelang erwartet – von den Vorstandsvorsitzenden Peter Tamm (Springer Verlag) oder Gerd Schulte-Hillen (Gruner + Jahr), sondern vom britischen Medienmogul Robert Maxwell mit den Worten „mein lieber Vorsitzender“ begrüßt. Der Besitzer der Daily-Mirror-Zeitungsgruppe soll der neue Partner des PDS-eigenen Berliner Verlages werden.

Mit acht Zeitungen, darunter Berliner Zeitung und BZ am Abend, sowie Zeitschriften (ff-dabei, Für Dich, Eulenspiegel) und einer Gesamtauflage von über 4,5 Millionen Exemplaren ist der Verlag das Filetstück des alten SED-Zeitungsimperiums. Gesucht wird jetzt noch ein „renommiertes Verlagshaus aus der Bundesrepublik“ als dritter Partner, wenn möglich einer aus dem bisherigen Interessentenkreis.

Gregor Gysi machte zwar ein saures Gesicht, als er den neuen Partner vorstellte, doch die Realitäten, entschuldigte er sich, hätten ihm gezeigt, „wo das Kapital sitzt“. Der PDS-Vorsitzende schämte sich ein bißchen seines Umgangs mit dem britischen Großkapitalisten. Denn zu Gysis Vorgänger Erich Honecker, dessen Autobiographie „Aus meinem Leben“ bei Maxwell erschien, pflegte der Verleger ein besonderes Verhältnis: Er lobte den SED-Vorsitzenden noch über den grünen Klee als Hoffnungsträger und rief den Westen zur Unterstützung auf, als die Fluchtwelle der DDR-Bürger über Ungarn bereits ihren ersten Höhepunkt erreicht hatte.

Den Zuschlag erhielt der britische Zeitungszar, weil Maxwell gleich zu Beginn der Verhandlungen die soziale Absicherung der 1100 Verlagsmitarbeiter in den Vordergrund gestellt habe. Gregor Gysi: „Das hat mich beeindruckt.“ Maxwell will für drei Jahre sämtliche Arbeitsplätze im Verlag garantieren: ein Jahr länger, als West-Verlage angeboten hatten. Erst dann soll über Sozialpläne verhandelt werden, versprach er dem Betriebsrat.

Auch die Redaktionsstatuten will der Brite unredigiert übernehmen. Danach ist die Ernennung der Chefredakteure grundsätzlich nur mit Zustimmung der jeweiligen Redaktion möglich – ein Passus, den kaum ein West-Verleger unterschreiben würde und der schon gar nicht zu Maxwells Verlagspolitik paßt, in der die Unabhängigkeit der Zeitungsredaktionen nie eine Rolle spielte. Die Journalisten des Ost-Verlages brauchten sich jedoch keine Sorgen zu machen, meinte Robert Maxwell auf der letzten Sitzung des Verlagsrates; nur dort nehme er Einfluß auf das Redaktionelle, wo er Herr im Hause sei. Bei ausländischen Beteiligungen kümmere er sich „nur um die ökonomische Absicherung“.