DDR-Forscher bangen um ihre Zukunft

Von Rolf Andreas Zell

Das Schlimmste, was uns jetzt passieren könnte, wäre, die guten Wissenschaftler zu verlieren, weil wir die entsprechenden Gehälter nicht bezahlen können.“ Prof. Günter Pasternak, Leiter des Instituts für Molekularbiologie der Akademie der Wissenschaften in Ost-Berlin, und seinen Kollegen brennt die Zeit auf den Nägeln.

Bis vor kurzem galt das Institut im Ostberliner Stadtteil Buch als ein Vorzeigestück sozialistischer Forschungsarbeit. Zusammen mit den zwei weiteren Akademie-Instituten für Krebsforschung und für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die ebenfalls in Berlin-Buch beheimatet sind, bildete das Instituts-Trio mit etwa 1600 Mitarbeitern so etwas wie den Mittelpunkt der DDR-Biomedizin.

Günter Pasternak weiß, daß sich die Ostberliner künftig einer rauheren Forschungskonkurrenz stellen müssen: Terrains wie die Krebsforschung, die Molekularbiologie oder die Kardiologie sind in der Bundesrepublik sehr gut besetzt. Die bange Frage der DDR-Wissenschaftler: Können wir den West-Instituten qualitativ Paroli bieten? Günter Pasternak redet um die eigenen Schwächen nicht herum: „Eine Wissenschaft ohne Möglichkeit zur Kommunikation kann nicht modern sein.“ Das „Kommunikationsproblem“ sah zumindest in der Vergangenheit so aus: Seit dem Mauerbau hat sich die DDR auch forschungspolitisch vom Westen abgeschottet. Pasternak: „Viele Kollegen kennen noch nicht einmal die entsprechenden Forschergruppen in der Bundesrepublik.“

Deutliche Schwächen ...

Von den 280 Wissenschaftlern an Pasternaks Institut gehörten lediglich 70 zum sogenannten Reisekader. Die Auswahl dieser Wissenschaftler orientierte sich indes nicht immer an deren wissenschaftlichen Qualität. Hinzu kam, daß die Bewegungsfreiheit dieser Forscher im Ausland durch die knappen Reisemittel stark beschränkt war. Die Institutsbibliothek mit etwa 750 internationalen Fachzeitschriften sieht der Tumorimmunologe denn auch nur als „symptomatische Bestrebung“ an, den Kontakt der DDR-Forscher zu westlichen Wissenschaftlern zu halten: „Das Fachblatt ersetzt schließlich nicht das persönliche Gespräch.“