Im Februar sackten die Kurse an der Börse in Johannesburg. Grund: Nelson Mandela, der nach 26 Jahren Haft gerade entlassen worden war, hatte in einer Rede den ANC-Standpunkt der fünfziger Jahre vertreten: Verstaatlichung der Minen und Banken. Inzwischen hat Mandela begriffen, daß die Welt sich in den letzten vierzig Jahren drastisch verändert hat. In der vorigen Woche erklärte er vor 300 führenden Geschäftsleuten: „Ich möchte Ihnen ein Geheimnis verraten: Verstaatlichung und Umverteilung sind nicht die Lieblingsvokabeln des ANC.“

Staatspräsident de Klerk ist soeben befriedigt von seiner Rundreise durch Europa – er machte Staatsbesuche in neun Ländern – zurückgekehrt. Er sieht Südafrika aus der Isolierung erlöst und kann sogar hoffen, daß die Europäische Gemeinschaft Ende Juni die Sanktionen lockert. Voller Zuversicht erklärte er: „Das neue Südafrika kann keiner mehr aufhalten.“

Die beiden für die Zukunft entscheidenden Männer – de Klerk und Mandela – haben Vertrauen zueinander und sind zur Versöhnung entschlossen. Optimismus wäre berechtigt, wenn beide für ihren Teil der Bevölkerung garantieren könnten. Aber de Klerks weiße Widersacher werden immer aufsässiger, und seine Polizei hat die neue Zeit auch noch nicht begriffen. Aber auch die schwarzen Radikalen könnten mit ihren hochgeschraubten Erwartungen zu einer Barriere werden. Dff