Das Gütezeichen Q findet man als Qualitätskennzeichnung auf DDR-Erzeugnissen. Der Maßstab ist natürlich ein interner und besagt für den Weltmarkt wenig. Immerhin spielte das Q in der Produktionspropaganda eine wichtige Rolle, da wurde der „Kampf um das Q“ angesagt und siegreich „das Q verliehen“. Womit dann über allen Zweifel gewiß war, daß man es mit einem – sozialistischen – Qualitätsprodukt zu tun hatte.

Da es in der Planwirtschaft keine freie Konkurrenz gibt, konnte der Wettbewerb der Erzeuger kein Stimulans für die Qualität der Erzeugnisse sein. Sollte es aber! Da gab es tausenderlei Hilfskonstruktionen, den nicht vorhandenen Wettbewerb künstlich zu evozieren und Qualität meßbar und bewertbar zu machen. Eine dieser Hilfskonstruktionen waren die Qualitätskennziffern, qualitative Vergleichswerte, die die wichtigsten Eigenschaften eines Erzeugnisses charakterisierten (zum Beispiel die „Qualität“ der Zweckbestimmung, der Formgestaltung, der Zuverlässigkeit, der Umweltverträglichkeit). So sind Produkte von merkwürdig altmodischer Schlichtheit entstanden, die ihren Zweck durchaus erfüllten, nur eben nicht so unaufwendig, so leise, so rasch wie das westliche Pendant. Allerdings bot die geplante Produktion auch keinen Anlaß, Wegwerfprodukte herzustellen; der schöne Schein, den es nirgends gab, konnte sich auch nicht verselbständigen.

Der administrative Aufwand, der mit Qualitätskontrollen, einem Qualitätssicherungssystem, Qualitätsprogrammen, gar einer eigenen Qualitätspolitik getrieben wurde, konnte die im System fehlenden Stimuli zur marktorientierten Produktion natürlich nicht ersetzen. Und die Häufung des Wortes deutet auf den Versuch hin, praktische Probleme verbal zu lösen. Über die Vorzüge östlicher und westlicher Warenproduktion läßt sich aber dennoch streiten. Vielleicht gibt es ja doch einen Unterschied zwischen den Dingen, die dem Menschen angemessen sind, und denjenigen, die sich gut verkaufen lassen. Im Westen schafft man es nicht, dem Verpackungswahn, dem Arzneimittelwahn, dem Autowahn beizukommen – im Osten gab es diese Probleme überhaupt nicht.

Ganz zu schweigen von der Täuschung, daß Lebensqualität von der Qualität der Konsumprodukte abhängig sei; es will mir manchmal so scheinen, als stunden die Schönheit der Warenwelt und die der Menschenwelt in umgekehrt proportionalem Verhältnis. In diesem Sinne ist um die speziellen Schönheiten einer DDR zu fürchten, in der man sich um Qualitätsprodukte nicht mehr mit der administrativen Brechstange bemühen muß. In der, wie überall im Westen, ein jeder an die Warenwelt hingibt, was an Schönem und Guten, was an Qualitäten in ihm steckt.

Ein Qualifizierungsvertrag ist/war eine arbeitsrechtliche Vereinbarung zwischen einem „Werktätigen“ und seinem Betrieb über die Teilnahme an Aus- und Weiterbild bildungsmaßnahmen. Solch ein Vertrag hatte in aller Regel großzügige Passagen über die Freistellung von der Arbeit, über die bessere Beschäftigung nach erfolgreicher Qualifizierung, über die Begleichung der Qualifizierungskosten durch den Betrieb. Wer eine Qualifizierung absolvierte, tat dies selten aus Not oder weil er arbeitslos war oder hätte werden können. Man tat es vor allem der angenehmeren Arbeitsbedingungen wegen und mit der Aussicht auf einen besser bezahlten Job. Manchmal aber auch ohne jeden unmittelbaren „volkswirtschaftlichen Nutzeffekt“, nur so, um etwas Neues kennenzulernen, aus Interesse und nach eigenem Wunsch. Oder eben, um den „Qualifizierungsplan“ des Betriebes mitzuerfüllen.