Die Geschäfte der Kaffeefahrten-Veranstalter florieren mehr denn je. Der Branchenführer, die Frankfurter Ferien- und Freizeitorganisation (FFO), steigt nun in den Pauschaltourismus ein, andere verdienen an ankündigen DDR-Bürgern.

Seit fast einem Monat wird das Odenwald-Örtchen Unterschwarzach sechsmal in der Woche von Buskolonnen aus der DDR heimgesucht: Ein deutsch-deutsches heimgesucht: der geschäftstüchtigen Art hat die DDR-Bürger als besonders kaufwilliges Kundenpotential entdeckt. Für zwanzig Mark inklusive Werbegeschenken und einem Konzert des Tingelbarden Peter Orloff karren ehemals volkseigene Omnibusse täglich mehrere hundert Menschen über die innerdeutsche Grenze auf das Werksgelände bei Aglasterhausen. Dort macht die im Bielefelder Handelsregister eingetragene Korona GmbH ihr Geschäft mit dem Verkauf von Bettwäsche.

Branchenkundige Beobachter fühlen sich in die goldenen Gründerjahre der bundesdeutschen Kaffeefahrer vor 25 Jahren zurückversetzt. Ein Teilnehmer: „Die Leute kaufen wie bekloppt.“ Bezahlt werden müssen die vermeintlichen Schnäppchen freilich nicht sofort. Weil die Kaffeefahrten-Veranstalter richtig verdienen wollen, dürfen die Kurden aus der DDR ihre Rechnung großzügigerweise erst nach Inkrafttreten der Währungsunion am 2. Juli begleichen.

Der Karlsruher Kaffeefahrten-Gegner Heinold Hirsch weiß, daß „zwischen dreißig und vierzig Prozent“ der Ausflügler mit tausend Mark teurer Bettwäsche zurückfahren. Und auch der Rest kauft kräftig ein. DDR-Medien wie das Neue Deutschland warnen ihrer Leserschaft bereits vor der Kaffeefahrten-Zunft aus dem Westen. Unterdessen werden aber schon Verkaufsfahrten in der DDR selbst vorbereitet.

Der Marktführer unter den „Rheumadeckendrückern“, die FFO, geht indes einen anderen Weg: Er dringt zunehmend in klassiscie touristische Märkte ein und versucht, seine Verkaufsgeschäfte mit mehrtägigen Pauschalreisen zu verbinden. Die FFO, die im vergangenen Jahr zwei Millionen Kunden zählte und über 400 Millionen Mark Umsatz erwirtschaftete, will schon im übernächsten Jahr 900 000 Urlaubsreisen, davon 300 000 Flugreisen, verkaufen.

FFO-Vorstand Rainer Bollmohr, der das Frankfurter Unternehmen im Kampf um ein besseres Image mit Vorliebe als „Vorzeigekaffeefahrer“ bezeichnet, müht sich seit geraumer Zeit um eine Zusammenarbeit mit den Größen der Reiseindustrie: Die FFO braucht Pauschalreisepakete. Reiseveranstalter wie TUI und NUR halten die Eindringlinge indessen bewußt auf Distanz: Mit einer Branche, die ihre Geschäfte nicht mit der Reise, sondern mit dem Warenverkauf betreibe und dies zudem „am Rande der Legalität“, wolle man nichts zu tun haben, sagt ein NUR-Geschaftsführer.

Derart abgeblitzt, baute die FFO erstmals ein eigenes Pauschalreisepaket zusammen: Seit Ostern werden mit der Fluggesellschaft Nortjet wöchentlich 500 Gaste zum Kaufen und Urlauben nach Mallorca geflogen. Der 650 Mark teure Sechs-Tage-Trip scheint begehrt: FFO zählt schon 5000 Buchungen.