Immer mehr Bundesbürger leben über ihre Verhältnisse. Sie fahren zu große Autos, sie gehen in Restaurants, die man früher höchstens auf Geschäftskosten besuchte, und sie leisten sich Urlaubsreisen, die mehrere Monatslöhne verschlingen. Wenn das Geld nicht reicht, wird auf Pump geschlemmt. Die Scheu vorm Schuldenmachen ist vorbei. Allein im vergangenen Jahr haben sich die Verpflichtungen für Konsumzwecke um über 20 Milliarden auf rund 240 Milliarden Mark erhöht. Das seien bisher nicht gekannte Wachstumsraten, staunt selbst die Bundesbank in ihrem Jahresbericht. Die Anbieter von Konsumartikeln können sich die Hände reiben. Ebenso die Banken: Ihnen bescherte das lockere Verhältnis zum Geld 1989 Zinseinnahmen von 20,5 Milliarden Mark.

Besonders gerne bedienen sich die Verbraucher beim Girokonto. Überziehungskredite gehören zwar zu den teuersten Formen des Schuldenmachens überhaupt, aber sie sind dennoch verführerisch. Keiner mahnt die Tilgungsraten an, und die Zinsen werden gleich vom Gehalt einbehalten. Viele betrachten solche Darlehen gar nicht als Schulden und hoffen, daß die roten Zahlen schnell wieder schwarz werden. Doch sie betrügen sich selber. Das Minus auf dem Girokonto wird häufig zur Dauerschuld, die jahrelang wie ein Klotz am Bein hangt. per