Von Robin Detje

„Ich bin nicht Ivan Lendl, und Thomas Langhoff ist nicht Steffi Graf.“ George Tabori

Als die Zeitschrift Theater heute erst sich selbst, dann das Regietheater erfand und in der Folge die Berliner Theaterolympiade, die sich nicht so nennen darf, kam glücklicherweise bald Peter Stein des Wegs. Peter Stein war das Regietheater, das die Zeitschrift Theater heute gerade erfinden wollte.

Nicht im Programm des Theatertreffens, nur zufällig zur gleichen Zeit, läuft in der Schaubühne am Lehniner Platz Peter Steins Inszenierung von „Roberto Zucco“, Bernard Marie Koltès’ letztem Stück. Eine Uraufführung als Tragödie: Der Regisseur, erste Wahl des sterbenden Autors, traut dem Text nicht, scheint ihn nicht einmal zu mögen. Er kleistert ihn zu mit Musik und drängt seine Schauspieler in melodramatische Posen. Sie müssen das „R“ rollen wie Italiener, mit den Händen fuchteln und den Text verhauchen.

Steins Bühnenbildner (Jürgen Rose) läßt seine Muskeln spielen. Die Bühne ist das Schaufenster seines Könnens. Er überfordert die Technik des Hauses, die langen Umbaupausen zerstören den Rhythmus des Abends – egal. Immer wieder wispert es im Publikum, in Szenen, die dramatisch oder schrecklich tragisch hätten sein können: „Wie haben sie das bloß gemacht?“

Das Stück hat Schwächen. Die ungebrochene Bewunderung des Autors für seinen Titelhelden, einen wunderschönen Mann, eine Lichtgestalt, einen Mörder, ist sein größter Haken. Roberto Zucco ist eine Figur wie Scorseses „Taxi Driver“ – aber Koltès nimmt ihn ernst. Dennoch: Den Autor ernst zu nehmen, auch sein falsches Pathos, seine Verliebtheit in Schönheit und Unvernunft, ist die einzige Chance einer Inszenierung des Stückes. Die Arbeit Peter Steins dagegen wirkt über lange Strecken wie eine Koltes-Parodie. Das Stück ist der Feind. „Roberto Zucco“: eine All-Star-Produktion am Kurfürstendamm.

Rechts am Portal schiebt sich das Knie eines Feuerwehrmanns ins Bild. Hinten gähnt ein Spalt im schwarzen Vorhang, durch den Licht fällt, wenn ein Schauspieler die Tür zu den Garderoben öffnet. Es macht nichts. Hinten in der Mitte eine Bar. Sie leuchtet. Der Barkeeper (Fritz Lichtenhahn) wippt, und die ganze Bar wackelt mit.