Viele haben ihn schon abgehakt Mit mehr als dreißig Jahren auf dem fast unveränderten Buckel hat der Trabant auch längst das automobile Greisenalter erreicht. Doch das rollende Symbol für die technische Ruckstandigkeit der DDR darf noch nicht vom Band gekippt werden, sonst waren zehntausend Beschäftigte in den Sachsenringwerken Zwickau und Mosel auf einen Schlag ohne Job. Denn das Nachfolgemodell Polo von Volkswagen schafft erst ab 1994 ausreichend Arbeitsplätze.

Von einiger Verzweiflung, aber auch überraschend viel Marktorientierung zeugen nun die Versuche, aus dem Oldie im Einheitslook ein Gefährt mit Absatzchancen zu machen. Ein neuer Motor nach VW-Lizenz, der den heulenden und stinkenden Zweitakter ersetzt, ist ihm schon implantiert. Demnächst soll auch ein offener Trabant mit Uberrollbugel und roten Ledersitzen, genannt Tramp, aufgeboten werden.

Der kommissarische Betriebsdirektor Wolfgang Neef hat noch mehr Plane: „Wir arbeiten angestrengt an einer Pick-up-Vanante, und Anfang 1991 wird der Trabant mit ungeregeltem Katalysator ausgerüstet sein.“ Sogar ein Fünfganggetriebe und eine Version mit automatischer Kupplung für Versehrte wird nun von den Sachsenring-Techniker angepeilt.

Nur in Sachen Preis herrscht noch keine neue Unternehmerfreiheit. Da regiert die alte Denke. Der Staat soll es mit hohen Subventionen ermöglichen, den Trabant zu verkaufen

In der Industrie für Flugzeugtriebwerke steht ein weltweites Großreinemachen an. War es in dieser Branche bislang üblich, daß die drei großen Anbieter General Electric (GE) und Pratt & Whitney (P & W) aus den USA sowie Rolls Royce aus Großbritannien mit zahlreichen Partnern vor allem aus Europa kreuz und quer Kooperationen eingingen, so ist es mit diesen Uberkreuz-Ehen in Zukunft wohl vorbei. Wahrscheinlich werden in Zukunft drei große Gruppen entstehen: Rolls Royce und BMW, General Electric und das franzosische Unternehmen Snecma sowie Pratt & Whitney gemeinsam mit der zur Daimler-Benz AG gehörenden MTU.

Zu dieser Entwicklung hat ganz erheblich Daimler-Chef Edzard Reuter beigetragen, der für ein Düsentriebwerk eine Zusammenarbeit der MTU mit Pratt & Whitney einging. Diese Abmachung setzte den Boss von General Electric, Jack Welsh, in helle Aufregung. Denn einerseits ist sein Unternehmen der schärfste Konkurrent von P & W, andererseits war MTU zuvor eine Kooperation just mit General Electric eingegangen, und zwar ausgerechnet in der Entwicklung eines Triebwerks, das am Markt im Wettbewerb mit dem Produkt aus dem MTU-P & W-Projekt steht.

Konsequenterweise schickte Welsh den Deutschen eine Schadensersatzklage in Hohe von 1,15 Milliarden Dollar ins Haus – schließlich hatten sie ja Zugang zu GE-Technologie gehabt, wahrend sie gleichzeit mit dem schärfsten Rivalen des Konzerns anbandelten. Inzwischen hat General Electric die Klage zwar zuruckgzogen, doch Daimler/MTU wird dafür einen hohen, wenn auch noch nicht genau bezifferten, Preis zahlen Die MTU muß aus dem Projekt mit GE aussteigen. Außerdem erklarten sich die Deutschen bereit, auf einen großen Teil der für sie wichtigen Gewinne zu verzichten, die bisher ein von GE unter MTU-Mitwirkung gebautes Jumbo-Triebwerk in die Kasse der Daimler-Tochter brachte.