Iraks starker Mann Saddam Hussein braucht die Hilfe seiner Nachbarn

Von Fredy Gsteiger

Bagdad, Ende Mai

Zum arabischen Sondergipfel ließ sich das irakische Fernsehen etwas Besonderes einfallen. Wie üblich eröffnete zwar ein Lied zu Ehren von Staatspräsident Saddam Hussein die Abendnachrichten mit der Lobpreisung „Oh Saddam, unser Siegreicher, oh Saddam unser Geliebter; du trägst des Landes Morgendämmerung zwischen deinen Augen.“ Dann aber machte das Saddam-Konterfei nicht wie üblich einem kitschigen Bild sich öffnender Blütenknospen Platz, sondern auf dem Bildschirm erschien ein Berggipfel, umgeben von den Flaggen der 21 Mitgliedsländer der arabischen Liga und der PLO.

Saddam hat lange auf einen arabischen Gipfel gewartet. Vor acht Jahren, 1982, konnten sich die Oberhäupter der neutralen und blockfreien Staaten vor einem Treffen in Bagdad mit dem Hinweis drücken, die irakische Hauptstadt läge gefährlich nahe an der Kriegsfront zum Iran. Daß die arabischen Machthaber sich nun zu Wochenbeginn in Bagdad versammelten, hatte zwar offiziell PLO-Chef Jassir Arafat angeregt. Aber es ist kein Geheimnis, daß Saddam darauf gedrängt hat. Er braucht den Gipfel, innen- wie außenpolitisch, aber er kann nicht sicher sein, daß die Arabische Liga seine Politik wirklich rückhaltlos unterstützt.

Der seit 1979 uneingeschränkt regierende, angebliche Abkömmling Mohammeds ist unablässig um sein Ansehen besorgt. Täglich läßt er sein Photo auf der Titelseite der Zeitungen drucken – und weil häufig kein Anlaß dafür vorliegt, verzichten die geknebelten Redakteure darauf, mittels Bildunterzeile Aktualität vorzutäuschen. Saddams Präsenz fängt am besten ein Bonmot ein: „Ich wundere mich am Morgen beim Rasieren, mein und nicht Saddams Gesicht im Spiegel zu sehen.“ Geäußert wird so Ketzerisches nur in ganz privatem Rahmen. Die Geheimpolizei wie auch uniformierte Sicherheitskräfte, die während des Gipfels in Hundertschaften demonstrativ in nagelneuen Anzügen überall auftreten, sind allzeit und allerorten präsent. Telephone werden abgehört, Photokopierer sind ebenso verbannt wie ausländische Zeitungen oder gar Stadtpläne und Landkarten. Selbst Diplomaten leiden unter Einschüchterungskampagnen, nächtlichen Telephonanrufen und provozierten Autounfällen.

In der 4,5-Millionenstadt Bagdad herrscht ein stalinistisches Klima. Lärm, Neonlichter und überfüllte Biergärten täuschen nur unzureichend darüber hinweg. Jeder hat vor jedem Angst, Spitzel lauschen überall, und von Saddams Versprechungen, ein Mehrparteiensystem, freie Wahlen und die Marktwirtschaft einzuführen, ist wenig zu spüren.