Von Gunhild Freese

Für Helmut Guthardt, den mächtigen Chef der DG Bank, ist nun alles so gekommen, wie es schon immer geplant war. Der Rücktritt des co op-Sanierers Hans Friderichs, so Guthardt, dessen Bank mit 67,5 Prozent größter Kapitaleigner bei der angeschlagenen Frankfurter Handelsgruppe ist, überrasche ihn nicht. Friderichs habe vielmehr immer nach der finanziellen Sanierung von co op aufhören und eine Neuordnung des Unternehmens nicht begleiten wollen.

Auch so läßt sich also der Schritt von Hans Friderichs interpretieren, der seit Ende 1988 Vorsitzender des co op-Aufsichtsrates ist und der am späten Montagabend am Ende einer Aufsichtsratssitzung das Handtuch warf. Mit ihm legten auch die Industriellen Walter Birkhan und Wolfgang Freiherr von Pölnitz ihre Aufsichtsratsmandate nieder.

Überraschend, so sehen es auch einige Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat, war Friderichs Rücktritt letztlich nicht – wohl aber der Zeitpunkt. Denn daß die co op nun etwa finanziell saniert wäre, wie Guthardt sagt, das kann niemand allen Ernstes behaupten. Im Gegenteil: Gerade an ihren unterschiedlichen Vorstellungen über die künftige Sanierung hatte sich der Zwist zwischen Guthardt und Friderichs entzündet. „Wir haben nie eine Minute geglaubt“, so Guthardt heute, „daß man ein Unternehmen mit zehn Milliarden Mark Umsatz, derart angeschlagen und mit hohen Altlasten alleine sanieren könnte.“

Hans Friderichs hingegen war von Anfang an der Uberzeugung, das Unternehmen sei „sanierungsfähig und sanierungswürdig“. Und er war – von Guthardt selbst als Retter zur co op geholt – angetreten, das Unternehmen im wesentlichen zusammenzuhalten. Friderichs damals: „Ich bin nicht gewillt, an einer Liquidation mitzuwirken.“ Darüber, so Friderichs, habe es auch Einverständnis gegeben.

Nichts anderes als eine Zerschlagung des Unternehmens aber plant nun der Chef der DG Bank. Denn an rund 550 der insgesamt 1800 co op-Läden hat die Kölner Einzelhandelsgruppe Rewe Interesse gezeigt. 75 Millionen Mark bietet Rewe-Chef Hans Reischl, der mit den Übernahmen sein Ladennetz in den Regionen Bayern, Baden-Württemberg und Berlin komplettieren möchte.

Noch freilich kann sich die Rewe, die schon jetzt mit einem Umsatz von knapp dreißig Milliarden Mark die Nummer eins im heimischen Lebensmittelhandel ist, die co op-Läden nicht einverleiben. Denn zunächst einmal muß der co op-Vorstand dem Auftrag des Aufsichtsrates nachkommen und das Rewe-Angebot durchrechnen. „Der Vorstand“, so Erich Hermann, Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung Genuß Gaststätten und Aufsichtsratmitglied bei co op, „muß sagen, ob es sich rechnet oder nicht, und er muß sagen, ob der Rest des Unternehmens überlebensfähig ist.“ Und obendrein hat der Vorstand auch noch einem anderen Angebot nachzugehen, das in der vergangenen Woche ganz überraschend in Frankfurt einging. Der Verband der Konsumgenossenschaften aus der DDR hat sein Interesse am gesamten Ladennetz der bundesdeutschen co op AG samt Lagern und Fuhrpark bekundet. Noch in dieser Woche will co op-Vorstandschef Franz H. Wolf prüfen, ob das Angebot – 520 Millionen wollen die DDR-Genossen angeblich zahlen – seriös ist oder ob dahinter nicht doch, wie allgemein vermutet, Helmut Wagner, der stets fintenreiche Chef der Saarbrücker Asko steckt. Denn mit dem ostdeutschen Genossenschaftschef Heinz Fahrenkrog steht die Asko schon seit langem in – bislang ergebnislosen – Verhandlungen über die Übernahme von DDR-Läden. Daß die ostdeutsche Konsumgenossenschaft, die dreißig Milliarden Mark Ost umsetzt, finanziell und organisatorisch in der Lage wäre, die co op zu übernehmen, scheint westlichen Einzelhändlern ganz und gar unwahrscheinlich.