Pretoria hofft auf einen wirtschaftlichen Schulterschluß mit den Nachbarn

Von Jürgen Duenbostel

In Moçambique kündigt sich ein erstaunlicher Wandel an. Noch herrscht dort Krieg. Erst vor wenigen Tagen sind bei einem Feuerüberfall der Renamo-Rebellen auf einen Zug aus Südafrika zehn heimkehrende Wanderarbeiter getötet und über fünfzig verletzt worden. Seit fast fünfzehn Jahren kämpft die Renamo in dem Land. Außerhalb der Städte ist es nirgends sicher. Einst hatte das rhodesische Minderheitsregime des Ian Smith die Renamo als Sabotagetruppe gegen den sozialistisch orientierten Nachbarstaat aufgebaut. Später unterstützte Südafrika die Rebellen.

Doch heute sind in Mocambiques Hauptstadt Maputo weiße Südafrikaner gern gesehene Gäste im Fünf-Sterne-Hotel „Polana“. Deren Sprache Afrikaans konnte man dort in den vergangenen Wochen fast genauso oft hören wie Mocambiques Landessprache Portugiesisch. Sechs Flüge pro Woche verkehren jetzt zwischen Johannesburg und Maputo, dreimal so viele wie vor zwei Jahren, und alle sind ausgebucht. Scharenweise fallen südafrikanische Geschäftsleute im Nachbarland ein. Sie wollen Investitionsmöglichkeiten und Marktchancen erkunden. Ein Friedensschluß in Mocambique, so erwarten sie, wird einen phantastischen Wiederaufbau-Boom in dem total daniederliegenden Land entfachen.

Und der Frieden wird kommen. Die Regierung in Maputo ist von Sozialismus auf Kapitalismus umgeschwenkt, bereitet freie Wahlen vor und wird im Juli das Volk zur Einführung eines Mehrparteiensystems befragen. Damit tut sie von sich aus alles, was die Rebellen gefordert haben. Deren grausamer Feldzug wird ohnehin nur noch von ewig gestrigen Farmern, Geschäftsleuten und einzelnen südafrikanischen Militärs ohne Rückendeckung ihrer Regierung unterstützt. Die regierende Nationale Partei der Kap-Republik und die großen Unternehmen setzen dagegen längst auf Handel statt auf Krieg. Und Mocambiques Regierung hat bereits Fühler für Friedensverhandlungen mit der Renamo ausgestreckt.

Auch in Angola haben die Unita-Rebellen ihre Bereitschaft zu einem Waffenstillstand erklärt. Zwar sind in Angola und Moçambique in den vergangenen Wochen wieder heftige Kämpfe aufgeflammt, aber wohl nur deshalb, weil beide Seiten vor den Friedensverhandlungen schnell noch ihre Position verbessern wollen. Wenn nun auch Südafrika mit Regimegegnern im eigenen Land, vor allem dem African National Congress (ANC), Frieden schließt und die Apartheid endgültig abschafft, dann scheint einem Neubeginn nichts mehr im Wege zu stehen.

Das bedeutet grünes Licht für die Wirtschaft. Südafrikas Karos-Hotelgruppe hat bereits einen Vertrag in der Tasche. Im Rahmen eines Joint-ventures wird das Unternehmen für zwanzig Millionen Mark Maputos „Polana“-Hotel modernisieren und eine Hotelkette in Moçambique aufbauen. Vom Krieg verschonte Inseln vor Mocambiques Küste sind schon jetzt wieder Urlaubsziel südafrikanischer Touristen. Das Bergbau-Unternehmen Trans-Natal Coal wird sich an der Erschließung neuer Kohlegruben in Moçambiques Tete-Provinz beteiligen. Anglo American Corporation, der größte Konzern Südafrikas, steht in den Startlöchern mit großen Investitionsplänen für Bergbau, Agrarindustrie, Holzwirtschaft und die Ausbeutung von Erdgas und Goldlagern. Und Südafrikas Energiemonopolist Escom will die von den Rebellen zerstörte Hochspannungsleitung vom Cabora-Bassa-Damm bis nach Südafrika wieder reparieren. Um die Masten vor möglichen neuen Anschlägen der Renamo zu schützen, wurden in Südafrika sogar mocambiqueanische Soldaten ausgebildet und mit Fahrzeugen sowie Funkgeräten ausgerüstet.