Heinz Horn, der Vorstandsvorsitzende der Ruhrkohle AG, ist wenigstens konsequent. Nachdem er für Stunk gesorgt hat, gibt er ein Amt ab, das ihn zur Neutralität verpflichtete – er legt den Vorsitz im Gesamtverband des Deutschen Steinkohlenbergbaus nieder. Womit er wohl nur einer Aufforderung zum Rücktritt zuvorgekommen ist.

Denn an der Saar, dem zweitgrößten deutschen Bergbaurevier, herrscht helle Aufruhr. Seit der Chef der Ruhrkohle dafür plädiert hat, den deutschen Bergbau in einer Einheitsgesellschaft zusammenzufassen, fürchten Bergleute und Politiker im Saarland um ihren Besitzstand. Ziel der Zusammenfassung nämlich soll es sein, bei weiteren Fördereinschränkungen die im nationalen Rahmen schlechtesten Zechen als erste zu schließen. Und da stünde dann die Saarzeche Luisenthal auf der Liste ganz oben.

Der saarländische Wirtschaftsminister Hajo Hoffmann wettert denn auch gegen eine Politik, mit der andere auf Kosten des Saarlandes ihre Haut retten möchten. Auch Hans-Reiner Biehl, der Vorstandsvorsitzende von Saarberg, widersetzt sich der Idee von einer Einheitsgesellschaft, er fühlt sich von Horn regelrecht überfahren.

Den Ruhrkohle-Chef ficht das freilich nicht an, er weiß sich im Einklang mit einer höheren Macht. Hat doch die erlauchte Mikat-Kommission, die im Auftrag der Bundesregierung Vorschläge für die Neugestaltung des deutschen Bergbaus erarbeitet hat, ausdrücklich eine weitere „Optimierung“ gefordert. Diesen Auftrag, so erläuterte Horn am Mittwoch vor Himmelfahrt zunächst im Bundeswirtschaftsministerium und anschließend vor der Presse, könne sein Unternehmen allein nicht erfüllen.

Horn tritt deshalb für die Bildung einer „Optimierungsgruppe“ ein, die ein Konzept für die „Gesamtoptimierung im Steinkohlenbergbau“ erarbeiten soll. Dem Sachverständigen-Gremium sollen die Bergbau-Unternehmen „alle Zusammenhänge und Unterlagen offenlegen“. Man darf annehmen, daß sich die Ruhrkohle vorher Gedanken über das Ergebnis einer solchen Untersuchung gemacht hat und zu dem Schluß gekommen ist, daß sie dabei besser abschneidet, als wenn sie künftige Förderkürzungen entsprechend ihrem Anteil am deutschen Bergbau tragen müßte. Umgekehrt wäre das Geschrei an der Saar nicht so laut, wenn man dort sicher sein könnte, weitgehend ungeschoren davonzukommen. Und natürlich schreckt auch der Gedanke, die Eigenständigkeit zu verlieren und Teil einer Gesellschaft zu werden, die nicht – wie Saarberg – im Besitz der öffentlichen Hand ist.

Denn daß Saarberg in der Vergangenheit besser gefahren ist als die Ruhrkohle, hängt sicherlich auch damit zusammen, daß die Aktien zu 74 Prozent beim Bund und zu 26 Prozent beim Land liegen. Vor allem die saarländische Landesregierung hat es meisterhaft verstanden, Schaden vom ihrem Zechenunternehmen abzuwenden.