Ein Gesunder saß elf Jahre lang in der Psychiatrie Klaus-Peter Löser geht jetzt vor GerichtSeite 3/3

Klaus Peter Löser wurde 1983 endlich offiziell aus dem Marburger Psychiatrischen Krankenhaus entlassen, weil - so der Direktor des Krankenhauses, Professor Ernst Fünfgeld - „die Grundlagen für den Unterbringungsbeschluß nicht mehr bestehen". Wie sich der nach der Vorgeschichte „irreparable Hirnschaden mit Schwachsinnigkeit" widerrufen ließ, blieb unerwähnt. Bei der Begründung der Entlassung standen - kurios genug - im Mittelpunkt des ärztlichen Gutachtens Aussagen des Rechtsanwalts.

Dieser hat gegen den Träger der Krankenhäuser, in denen Klaus Peter Löser über Jahre hinweg seiner Freiheit beraubt und einer Zwangsmedikation unterzogen wurde, Klage auf Schmerzensgeld und Schadenersatz eingereicht. Das Gutachten eines unabhängigen Sachverständigen, auf den sich beide Parteien einigen konnten, liegt jetzt vor. Der Gutachter, Professor Asmus Finzen, Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik in Basel, schreibt unter anderem wörtlich: „Herr Löser hat zum Zeitpunkt seiner Einweisung in die Marburger Psychiatrische Klinik und in der Zeit danach an keiner Krankheit gelitten, die eine Einweisung in eine Psychiatrische Krankenanstalt gegen seinen Willen gerechtfertigt hätte An anderer Stelle heißt es: „ eine Indikation zu einer Neuroleptikabehandlung über längere Zeit in höherer Dosierung hat nie bestanden "

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Klaus Peter Löser war elf Jahre lang in eine solche Anstalt zwangseingewiesen und erhielt im Laufe von neun Jahren insgesamt 2 3 Kilogramm reiner, pharmakologisch wirksamer Substanz. Das Gutachten attestiert ihm Spätschäden.

Während Löser, nicht fähig, dauerhaft einer Arbeit nachzugehen, einsam in Marburg von Sozialhilfe lebt und dem Prozeß entgegensieht, hüllen sich die verantwortlichen Ärzte aus dem Psychiatrischen Krankenhaus in Marburg derweil in Schweigen. Der leitende Arzt, Thomas Kanzow, ist nicht erreichbar. Sein Stellvertreter, Klaus Kempl, lehnt strikt jede Stellungnahme zum „Fall Löser" ab .

Lösers Hausarzt, Mayer Anhalt, meint: „Ich halte es für notwendig, daß in die Akten dieses Gremiums aus den letzten zehn Jahren eingesehen wird. Ich fürchte, die Geschichte von Herrn Löser ist kein Einzelfall "

 
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