FDP-Chef Otto Graf Lambsdorff hat sich nie vor mutigen Forderungen gedrückt, das muß man ihm lassen. Was daraus wurde, ist eine andere Frage. Vor der Fusion Daimler-MBB zum Beispiel äußerte sich der Graf äußerst skeptisch über das „in hohem Maße bedenkliche Projekt“ und versuchte, seine Fraktion auf Widerstand zu trimmen. Doch der kam erst gar nicht auf, die Liberalen stimmten der Elefantenhochzeit zu, und FDP-Minister Helmut Haussmann erteilte die unentbehrliche Ministererlaubnis.

Jetzt macht Lambsdorff erneut Front gegen Auto- und Flugzeugbauer mit dem guten Stern. Die FDP, so bekräftigte er, sei klar gegen den Bau des Jägers 90, also des sündhaft teuren Jagdflugzeugs für die neunziger Jahre, von dem sich Daimler aus gutem Grund ein gutes Geschäft verspricht. Und was hält Lambsdorff von der Idee, MBB mit offiziellen Ersatzaufträgen zu versorgen, falls Bonn den Jäger 90 stoppt? Kommt gar nicht in Frage, sagt der Graf, da soll sich die Daimler-Tochter selber drum kümmern.

Eine sehr vernünftige Position. Doch werden Lambsdorff und seine Parteifreunde diesmal dem Druck von Unionsparteien und Industrielobby standhalten? Eher wird Deutschland Fußballweltmeister ...

Wenn der Kurs der Mark in unerwünschtem Ausmaß fällt, dann stützt ihn die Deutsche Bundesbank. Wenn bestimmte Obst- und Gemüsepreise absacken, dann interveniert Brüssel. Doch was passiert, wenn die Preise für Altpapier verfallen? Nichts – und das ist den Grünen ein Ärgernis.

Die Abgeordnete Karitas Hensel und ihre Fraktion richteten eine Anfrage an die Bundesregierung zum Thema „Preissturz und Absatzstau auf dem Altpapiermarkt“. Dabei wollten sie auch wissen, ob die Bundesregierung eine Möglichkeit sehe, den Altpapierpreis zu stützen und zudem den „Vereinen und Jugendverbänden, die sich um das Einsammeln von Altpapier besonders bemüht haben, diese Einnahmequelle auf Dauer zu sichern“.

Natürlich kann die Antwort nicht heißen „Was soll der Unfug!“ So ließen sich die Ministerialbeamten Umschreibungen im schönsten Bürokratendeutsch einfallen. Stabilere Preise zur Förderung des Recyclings? „Die Bundesregierung hält eine Stützung des Altpapierpreises im Wege der Subventionierung grundsätzlich für keine zielführende Maßnahme.“ Und die Einnahmen der gemeinnützigen Sammler? „Diese Sammlertätigkeiten müssen sich in das allgemeine Marktgeschehen einordnen.“ Wenn das keine saubere ordnungspol tische Position ist.

Am 20. Juni will der Verkehrsausschuß des Bundestages dafür sorgen, daß das Angebot in den Autobahnraststätten endlich besser wird. Zwei Drittel aller Autofahrer meiden diese Restaurants, weil sie mit Qualität und Preis des Gebotenen nicht zufrieden sind. Eigentümerin ist bisher die Gesellschaft für Nebenbetriebe der Bundesautobahnen (GfN) in Bonn, die voll in Bundesbesitz ist und den Pächtern der Raststätten teilweise skurrile Vorschriften macht.