Von Eduard Bertz

Es läßt sich nicht leugnen, daß das Rad als ein Friedensstörer in die Welt gekommen ist. Denn auf eine neue Teilung der Welt läuft der Kampf des Fahrrads um sein Recht allerdings hinaus.

Als Berufe, die durch den Radsport unmittelbar geschädigt werden, nannte das Forum eine amerikanische Monatsschrift, neben den Hutmachern, die den Radfahrern gesetzlich den Kauf von mindestens zwei Filzhüten jährlich zur Auflage machen wollten, den Barbieren (weil sich kein Radler für seine Fahrt frisieren läßt), den Schuhmachern, den Zigarettenfabrikanten und den Pfarrern, die die kirchenmüde radfahrende Jugend unter der Kanzel vermissen, besonders die Autoverleiher und Autohändler.

Neben der Interessenschädigung gibt es aber noch andere Motive für ihre Feindseligkeit gegen die Radfahrer: Auch die Psychologie der Autofahrerseele ist kein ganz einfaches Studium. Einmal sind sie eifersüchtig auf den Radler wegen seiner größeren Schnelligkeit in den Städten. Andererseits sind sie sich ihrer größeren Kraft bewußt, und es beleidigt ihre Eitelkeit, daß sie dem Schwächeren Platz machen sollen.

Dazu kommt eine große Portion Egoismus und angeborener Rücksichtslosigkeit. Sie hatten bisher die Alleinherrschaft über Chausseen und Straßendämme. Daß sie nun mit einem Male die Straßen mit den Radfahrern teilen und diesen sogar ausweichen sollen, finden sie unvereinbar mit ihrer Würde. Am häufigsten ist es, daß sie vorschriftswidrig rechts fahren und den Radler dadurch in die Enge treiben. Und da wundert man sich noch, wenn die Radfahrer lieber auf den Banketten fahren.

Um zu verstehen, von was für einer Art von Leuten der Radfahrer beständig gefährdet wird, braucht man nur an die Schwerfälligkeit der sich wechselseitig hemmenden Passanten sogar auf den Bürgersteigen zu denken, durch die Schopenhauer zu dem bekannten Ausruf veranlaßt wurde: „Daß doch die Klötze nicht ausweichen wollen.“

Trotzdem hieß es lange Jahre in parteiischen Zeitungen bei jeder Meldung eines Zusammenstoßes, er sei durch die Rücksichtslosigkeit, durch die Fahrlässigkeit, durch die unglaubliche Unachtsamkeit eines Radfahrers verschuldet worden. Diese Presse machte sich damit nicht nur zur Wortführerin des gedankenlosen Publikums, sondern hetzte es gegen die Radfahrer geradezu auf.