In fünf Monaten soll es losgehen: In der ersten Novemberwoche wird in Berlin-Schönefeld ein Flugzeug mit dem rotblauen Schriftzug „Inter-Condor“ in den Süden starten. Schönefeld hat damit eine Premiere. Es wird der erste Start der ersten deutsch-deutschen Fluggesellschaft sein.

Die InterCondor Fluggesellschaft mbH ist eine gemeinsame Tochtergesellschaft von Condor, dem „deutschen Ferienflieger“, und der DDR-Fluggesellschaft Interflug. Die notwendigen Unterschriften unter den Kooperationsvertrag wurden am Dienstag nach Pfingsten in Dresden geleistet, denn Schönefeld, Sitz der neuen Gesellschaft, liegt außerhalb der Reichweite der westdeutschen Partner. Ein Condor-Flugzeug – mit dem die Gäste anreisten – darf dort nicht landen, weil der Flughafen in der Vier-Mächte-Kontrollzone liegt und noch immer unter alliierter Oberhoheit steht.

„Wir gehen mit Optimismus an den Start“, sagte Franz Schoiber, Geschäftsführer der Condor. Er glaubt, daß die DDR-Bürger, nachdem sie nun endlich Reisefreiheit genießen, im Laufe der Zeit genauso reisefreudig werden wie die Westdeutschen. „Es gibt hier ein Potential von 1,6 Millionen Passagieren im Jahr, eine Zahl, die den Einsatz von zwanzig Flugzeugen erfordern würde. Wir wollen von Anfang an dabei sein.“

Vorerst allerdings nur mit einem Flugzeug, einer Boeing 757 mit rund 200 Sitzen, die von Condor geleast wird. Doch damit will InterCondor bereits in diesem Winter ein beachtliches Programm fliegen: Thailand, Sri Lanka, Kenia, Tunesien, Mallorca natürlich und die Kanarischen Inseln.

Schon im nächsten Sommer soll jedoch die Flotte auf vier Flugzeuge aufgestockt werden, kündigte Andreas Kramer, der neue Geschäftsführer von Interflug, hoffnungsvoll an. Voraussichtlich werden Boeing-737-Flugzeuge hinzukommen.

Dann soll InterCondor von Berlin aus – in weiterer Zukunft auch von Leipzig und Dresden aus – alle üblichen Touristenziele rund ums Mittelmeer anfliegen und einige Fernstrecken bedienen.

An der neuen Gesellschaft sind Condor und Interflug zu je fünfzig Prozent beteiligt. Sie wird vorerst ein Gesellschafterkapital von fünf Millionen Mark haben und, wie Kramer ankündigte, 96 Mitarbeiter beschäftigen, davon zwanzig im Cockpit und fünfzig in der Kabine.