Geld war ihm ein Greuel. Er sah darin die Ausgeburt der Entfremdung, da es den wahren Charakter der Dinge verneble und die Beziehungen zwischen den Menschen auf ihren Tauschwert reduziere. Dennoch blieb es Karl Marx nicht erspart, selbst zu einer Symbolfigur des Geldes zu werden. Wer erkannt hat, daß Geld nur Schein ist, ist auch gut für einen Geldschein, dachten sich die Genossen und zierten ihren DDR-Hunderter mit dem großen Karl.

Jetzt kommt er in den Reißwolf. An seine Stelle tritt der große Blaue aus dem Westen. Statt Karl Marx werden die Bürger der DDR künftig das Bildnis eines Herren mit Mütze und Rüschenkragen in ihrem Portemonnaie verstauen. Daß es sich um den Theologen Sebastian Münster handelt, wird kaum einen interessieren. Um vom Geld beherrscht zu werden, muß man nicht wissen, wie es aussieht.

Überdies wird der Theologe bald von einer viel charmanteren Dame aus Frankfurt ersetzt: der Pianistin und Komponistin Clara Schumann. Die Bundesbank rührt für ihre neuen Banknoten, die im Herbst in Umlauf kommen, bereits kräftig die Werbetrommel. Weshalb eigentlich? Glaubt denn jemand im Ernst, es sei nötig, das Interesse am Geld durch Anzeigen zu fördern? Würde sich die Bundesbank an Karl Marx und seine Theorie über den wahren Charakter des Geldes halten, hätte sie viele Millionen Mark sparen können. per