Von Heinz-Günter Kemmer

Mit einem doppelten Paukenschlag sorgte Herbert Gienow, der Vorstandsvorsitzende der Klöckner-Werke, für Aufsehen in der Branche:

Vor vierzehn Tagen kaufte er dem britischen Tabakkonzern BAT für 270 Millionen Mark das Kunststoffverarbeitungs-Unternehmen Eurotec ab, in dieser Woche setzte er die Unterschrift unter einen Vertrag mit British Steel, der die Abgabe der Klöckner-Mannstaedt-Werke an den britischen Stahlerzeuger vorsieht und Gienow 300 Millionen Mark in die Kasse bringt.

Finanziell gleichen sich die beiden Geschäfte mit den Briten beinahe aus. Für die Unternehmensstruktur der Klöckner-Werke bedeuten sie jedoch eine neue Qualität. Mit Mannstaedt trennt sich Klöckner von einem weiteren Teil seiner Stahlvergangenheit; mit Eurotec wird eine zukunftsträchtige Sparte gestärkt. Dem von Herbert Gienow angestrebten Dreiklang – drei annähernd gleichgewichtigen Geschäftsbereichen Stahl, Maschinenbau und Kunststoffverarbeitung – ist Klöckner so ein gutes Stück näher gekommen.

Der Verkauf von Mannstaedt bedeutet eine Umsatzeinbuße von rund 500 Millionen Mark im Stahlgeschäft, umgekehrt bringt die Eurotee-Gruppe 1,1 Milliarden Mark zusätzlichen Umsatz mit Kunststoff. Auf ein volles Jahr hochgerechnet, sieht die Umsatzstruktur der Klöckner-Werke jetzt so aus: Stahl 3,5, Maschinen 2,6 und Kunststoffe 2,1 Milliarden Mark. Allein durch eine zu erwartende Stagnation bei Stahl und anhaltendes Wachstum in den beiden übrigen Bereichen könnten die drei Sparten schon Mitte der neunziger Jahre gleich groß sein.

Aber es ist ziemlich unwahrscheinlich, daß Gienow, der zum ersten Male seit seiner Berufung zum Vorstandsvorsitzenden im Jahre 1974 über eine wohlgefüllte Kasse verfügt, nur auf inneres Wachstum setzt. So schließt er denn auch nicht aus, daß er schon vor Ablauf von zwölf Monaten eine weitere bedeutsame Akquisition vornimmt.

Das Unternehmen kommt gestärkt aus einer mehr als zehn Jahre dauernden Krise. Anfang Mai sprach Gienow vor seinen Aktionären noch vom „Überlebenskampf“ der Klöckner-Werke. Das klingt pathetisch, ist aber nicht übertrieben. Denn Klöckner hat einen regelrechten Krieg mit seinen Konkurrenten überstanden.