ELFRIEDE JELINEK, geboren 1946 in Mürzzuschlag (Steiermark), schreibt Lyrik, Prosa und Theaterstücke; am bekanntesten ihre Romane „Die Liebhaberinnen“, „Die Klavierspielerin“ und „Lust“, alle bei Rowohlt erschienen. 1986 bekam sie den Heinrich-Böll-Preis. Zuletzt schrieb sie das Drehbuch zu Werner Schroeters Film „Malina“ (nach Ingeborg Bachmann), der nächsten Januar in die Kinos kommt. Das Gespräch mit der Schriftstellerin fand in ihrem Haus in Wien statt.

Ein Gespräch mit Ihnen muß mit dem Buch „Lust“ beginnen, Ihrem bisher größten Erfolg.

ELFRIEDE JELINEK: Entsetzlich! Ich hasse es, über meine Bücher zu sprechen. Ich bin darauf gekommen, daß alles, was ich darüber gesagt habe, falsch ist.

Was zunächst auffällt, ist die schier unerschöpfliche Fülle an Wörtern, mit denen Sie das immer Gleiche des Geschlechtsakts beschreiben.

JELINEK: Ich habe versucht, ästhetisch zu fassen, wovon eine ganze Industrie, die Pornoindustrie, lebt, nämlich, daß in die Frau dauernd etwas hineingesteckt wird.

Besonders vielfaltig ist das Vokabular, das Sie für das männliche Geschlechtsteil gefunden haben: Binkel, Kleintier, Zipferl, Zapfen, Bohrer, Schwengel, Fleischextrakt, Sprengkopf, Spargel, Hirtenspieß, Vogerl, Köter, Killerwal...

JELINEK: Klingt ja wie Ossi Wiener.