Junge Leute, die wenig Wert auf Komfort legen, dafür aber möglichst billig logieren wollen, können günstig in der Zeltstadt im Londoner Stadtviertel East Acton übernachten.

London-Reisende finden auch in diesem Sommer wieder einen Schlafplatz in der Tent City am Old Oak Common. Frisch gestrichen und neugestaltet, öffnete die Zeltstadt Pfingsten ihre Pforten für die Saison. Vierzehn große graue Armeezelte mit 450 Feldbetten stehen in East Acton bereit: Mit billigen Betten, unkonventionellem Personal aus ganz Europa, heißen Duschen und einem Depot fürs Gepäck richtet sich das preisgünstige Angebot vor allem an junge Reisende mit schmalem Geldbeutel.

Günstig ist der Preis von vier Pfund (rund zwölf Mark) für eine Übernachtung, überzeugend die zentrale Lage: vier Haltestellen vor Portobello Market – neun bis zur Haupteinkaufsstraße Oxford Street. Mit direkter Busverbindung zum Picadilly Circus und Trafalgar Square bietet die Zelt-Stadt einen zentral gelegenen Ausgangspunkt für einen Besuch in der englischen Metropole.

Für die niedrigen Logiskosten muß man ein geduldiges Schlangestehen vor den vier Duschen und Toiletten im zweckentfremdeten Sportumkleidehaus in Kauf nehmen. In den Großraumzelten, in denen Körperausdünstungen aller Art wetteifern, stehen enge, etwas schmuddelige Betten. Doch gerade der rustikale Komfort gibt der Tent City ihren eigenen, ganz besonderen Charme.

Große weiße Plastiksäcke werden beim Einchecken für das Gepäck ausgegeben – die billige Variante eines Schließfachs, unhandlich und unpraktisch. Doch allen Widrigkeiten und Unbequemlichkeiten zum Trotz: Für Reisende, die spontan und ohne Voranmeldung in London auftauchen und vor den verschlossenen Türen der ausgebuchten Jugendherbergen und Hotels stehen, gibt es hier garantiert ein Bett im Zelt.

Die Grünanlage in East Acton gilt inzwischen als nicht mehr allzu geheimer Tip für anspruchslose Individualtouristen. Hier trifft der Interrailer bei seinem Zwischenstopp in der Metropole auf den Fahrradfreak, der arbeitslose, Wohnungssuchende London-Fan den Eine-Woche-London-Urlauber. Die internationale, ungezwungene Atmosphäre läßt so manchen jungen Rucksackreisenden lieber den Abend bei einer Flasche Wein im Dämmerlicht der Zeltstadt verbringen als im Lichtermeer der Londoner Ausgehviertel West End und Soho.

Ein umgebauter alter Bus dient als Snackbar. Cornflakes, dazu ein Sandwich und eine Tasse Tee bekommt man hier zum Frühstück. Das Bier für den abendlichen Schwatz gibt es im nahe gelegenen Dorfzentrum. Die Krämer East Actons sind auf die Wünsche der Zelter längst eingerichtet.

Verglichen mit den üblichen, eher restriktiven Öffnungszeiten der Jugendherbergen, hat diese Zeltherberge großzügig geöffnet: vierundzwanzig Stunden am Tag. Urlauber können auch das eigene Zelt mitbringen und neben den Armeeungetümen aufschlagen, zahlen aber dennoch den gleichen Preis. Geöffnet hat die Tent City bis zum 11. September. Sabine Lohmann