Sollten die Jahresabschlüsse von Shell und Esso bei demselben Hamburger Finanzbeamten landen, dann wird der sich gewiß verdutzt die Augen reiben. Für einen identischen Vorgang machen die beiden Unternehmen steuermindernde Rückstellungen geltend, die um mehr als eine halbe Milliarde Mark differieren. Wohl selten haben sich Firmen so kreativ der Gestaltungsfreiheit der Bilanz bedient.

Das Mysteriosum hat einen recht simplen Hintergrund. Esso und Shell sind je zur Hälfte an der BEB beteiligt, die Erdgas aus dem Feld Groningen bezieht. Das liegt zum größten Teil auf niederländischem Gebiet, doch ein kleiner Zipfel reicht in die Emsmündung, wo die Grenze zwischen Holland und Deutschland nicht endgültig geregelt ist. Deshalb einigten sich die Staaten, den dortigen Fund gleichmäßig aufzuteilen. Die deutsche Hälfte bekommen Esso und Shell entsprechend ihrer Beteiligung an der BEB.

Neue Berechnungen haben nun ergeben, daß die BEB bereits zuviel Gas förderte, der niederländische Partner also ein Recht auf Rückzahlung hat. Wie ordentliche Kaufleute bildeten Esso und Shell für diese in der Höhe noch nicht feststehende Verbindlichkeit ihrer Tochtergesellschaft eine Rückstellung. Doch siehe da: Was bei Esso 350 Millionen Mark ausmacht, schlägt bei Shell mit 900 Millionen zu Buche. Als Erklärung hat Esso-Chef Thomas Kohlmorgen nur den dünnen Hinweis, alle Berechnungen seien bisher noch sehr vage, am Ende müßten die beiden Zahlen wohl übereinstimmen. In jedem Fall weisen beide Gesellschaften für 1989 nun einen zweistelligen Millionenverlust aus. Und damit alles seine Richtigkeit hat, wurden beide Bilanzen von der gleichen Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft testiert – allerdings nicht von demselben Prüfer.

Am allgemeinen Zug nach Berlin wird sich die Siemens AG nicht beteiligen. Hoffnungen und Spekulationen der Berliner, der Mitte des vergangenen Jahrhunderts in der preußischen Metropole gegründete Elektrokonzern werde zurückkehren, erteilt Siemens-Chef Karlheinz Kaske eine deutliche Absage. Die Zentrale bleibe in München, wohin sie nach dem Zweiten Weltkrieg verlegt wurde.

„Unsere Hauptkunden sitzen auch in Zukunft nicht in Berlin und drumherum“, sagt der Siemens-Boß, der es außerdem für nicht realistisch hält, daß Berlin schnell zum neuen gesamtdeutschen Regierungssitz gemacht werden könne. Kaske verweist außerdem darauf, daß die großen westlichen Elektro- und Elektronikkonzerne ihre Zentralen ebenfalls nicht in den Hauptstädten hätten.

Auch die vor der Gründung stehende Siemens-Nixdorf Informationssysteme AG wird nicht nach Berlin ziehen. Der juristische Sitz dieser Gesellschaft, in der Siemens die eigenen Computerbereiche mit der mehrheitlich übernommenen Nixdorf AG zusammenfassen will, soll in Paderborn angesiedelt sein. Das operationelle Zentrum dieses Computerunternehmens wird allerdings in München liegen.

Aldi betreibt in England erst zwei Supermärkte, ängstigt aber bereits die Konkurrenz. Auffallend niedrige Preise bei einigen bekannten Markenartikeln sorgen für Unruhe in der Branche. Mehrere Lieferanten haben den deutschen Einzelhändler wissen lassen, er verkaufe ihre Produkte zu billig. Quaker Oats liefere deshalb keine Haferflocken mehr, klagt Aldi. Das Unternehmen hat sich inzwischen bei der Wettbewerbsbehörde (Office of Fair Trading) beschwert. Nun wird untersucht, ob konkurrierende Supermärkte Druck auf die Hersteller ausüben.