Die Bestechungsvorwürfe gegen den Münchner Filmhändler erweisen sich als haltlos

Von Klaus Ott

Der Münchner Filmkaufmann Bodo Scriba konnte es kaum fassen. „Da bin ich jetzt platt. Genau eine solche Tasche hat Kirch immer besessen“, behauptete Scriba bei einer Zeugenvernehmung durch die Münchner Staatsanwaltschaft. Als ehemaliger leitender Mitarbeiter des Film- und Fernsehmoguls Leo Kirch war Scriba für die bayerische Behörde ein wichtiger Mann. Denn die ermittelte gegen Kirch wegen des Verdachts der „Vorteilsgewährung“, das heißt der Bestechung, und gegen den ehemaligen Fernsehdirektor des Bayerischen Rundfunks (BR), Helmut Oeller, wegen „Vorteilsannahme“.

Die Ermittlungen hatten Ende August vergangenen Jahres vier eidesstattliche Erklärungen ausgelöst. Danach sollte Kirch die schwarze Ledertasche – gefüllt mit 2,7 Millionen Mark in Tausendmarkscheinen – im September 1984 einer Familie Schmidmeier im Hotel Dolder in Zürich übergeben haben. Das Geld sei für Helmut Oeller bestimmt gewesen. Dank dieser üppigen Gabe sei es Kirch gelungen, dem bayerischen Rundfunk mehr als 300 Spielfilme für 46 Millionen Mark zu verkaufen. Als Beweis für die Vorwürfe hatten der ehemalige Immobilienmakler Hans Schmidmeier, seine Frau und der Sohn unter anderem auch die schwarze, an den Kanten stark abgewetzte Naturledertasche vorgelegt.

Doch anders als Scriba, der inzwischen gemeinsam mit dem Hamburger Axel Springer Verlag und dem Stuttgarter Geschäftsmann Rolf Deyhle die Filmhandelsgesellschaft Capitol betreibt, konnte sich kein anderer Kirch-Mitarbeiter erinnern, die Tasche bei seinem Arbeitgeber jemals gesehen zu haben. Mehrere Bekannte der Schmidmeiers sowie deren ehemalige Haushälterin hingegen sagten aus, eine solche Tasche schon vor 1984 bei Hans Schmidmeier bemerkt zu haben.

Nicht allein aus diesem Grund stellte die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen nach zehnmonatigen Recherchen Anfang dieser Woche ein. Der ursprüngliche Tatverdacht lasse sich nicht aufrechterhalten, erklärte die Strafverfolgungsbehörde und bescheinigte dem Filmhändler Leo Kirch, für den Zeitpunkt der angeblichen Schmiergeldübergabe ein „glaubhaftes Alibi“ präsentiert zu haben. Kirch hatte sich zwar an diesem Tag tatsächlich in der Schweizer Bankmetropole aufgehalten, aber nach Angaben seines Anwalts zur Zeit des vermeintlichen Schmiergelddeals mit einem Mitarbeiter seines TV-Abonnentenkanals Teleclub gespeist.

Die Staatsanwaltschaft stellte ihre Recherchen auch deshalb ein, weil sie bei Kirch keinen „Geldabfluß“ in Höhe des behaupteten Schmiergelds und bei Oeller keinen „entsprechenden Geldzufluß“ feststellen konnte. Die Justiz schloß damit vorläufig einen Vorgang ab, der vor allem von Springers Bild zur „Affäre Kirch“ hochgejubelt worden war, nun aber eine „Affäre Springer“ werden könnte.