Ein Schlagwort droht zum Politikersatz zu werden: Wachstum durch Liberalisierung. Doch nicht alles, was von bürokratischen Fesseln befreit wird, stellt auch Fortschritt dar. Manche Befreiung führt direkt ins Chaos.

Offenbar wollen die Verkehrsminister der Europäischen Gemeinschaft mit ihrem Liberalisierungsprogramm das Chaos am Himmel vergrößern. Fliegen, so haben sie Anfang der Woche beschlossen, wird billiger. Die Tarifgestaltung soll flexibler, der Fluggenuß erschwinglicher werden.

Das hört sich freilich nur gut an. Denn die Entscheidung verfehlt treffsicher das wahre Problem: Das größte Übel der Fliegerei sind nämlich nicht zu hohe Preise, sondern fehlende Kapazitäten zum Starten, zum Landen und zum Fliegen. Wegen dieser Knappheiten müßte die schnellste Form der Fortbewegung sogar teurer werden. Doch in Zukunft werden noch mehr Flugreisende, angelockt durch Sonderangebote, auf Flughäfen und in Warteschleifen ihre Zeit vertrödeln.

Zehn Milliarden Mark pro Jahr kostet die elende Warterei schon heute – und alle Prognosen sagen zunehmendes Gedränge auf Flughäfen und Luftstraßen voraus. Diese Kosten sind zum großen Teil politisch verursacht, denn der Himmel wird miserabel verwaltet. Das zu ändern sollte die Herausforderung der Politiker sein. Mit ihrer blinden Liberalisierungswut bringen sie dagegen die Fliegerei nur vollends in Verruf. vo