ARD, Samstag, 16. Juni: „Coplan. Entführung nach Berlin“

Co-Produktionen gibt es nicht erst mit Blick auf die europäische Einigung 1992. Der ältere Kinogeher erinnert sich gewiß an jene ersten amerikanisch-italienisch-französisch-deutsch- spanischen Gemeinschaftswerke, die er nach ein, zwei Kostproben entschlossen mied. Sie waren prina Belege für die Wahrheit des Sprichworts von den vielen Köchen. Seit das Europafieber ausgebrochen ist und auch Fernsehredaktionen beutelt, sind TV-Programme von internationalem Zuschnitt Pflicht. Sie gehören aber leider zu jenen Projekten, deren Reiz sich in der Idee zu erschöpfen scheint. Was an Ende hinten rauskommt, gibt, insbesondere wenn es sich um Thriller handelt, dem Sprichwort recht. Halb Europa paßt nun mal in keine Krimiküche.

Die „Euro-Cops“ im ZDF hatten die Gemeinschaftsidee insofern geschickt variiert, als je ein Land die Aufklärung eines „Falles“ vorführen, nur der Rahmen euro, das Bild national sein sollte. Doch seltsam, es funktionierte nicht, es reichte zur Not zu einer Intercont-Identität. Und die deutsch-französisch-schweizerische „Coplan“-Folge im Ersten, die letzten Samstag erfreulicherweise auslief, bot auch nicht mehr als ein Exempel für die Unmöglichkeit, Typen, Taten und Milieus zu internationalisieren.

Da sucht ein französischer Agent namens Coplan in Ost-Berlin einen polnischen Mathematiker, der die Lösung für das Rätsel der adaptiven Optik in seinem Superhirn gespeichert hat. Seine deutsche Braut hat Ost-Kontakte, hilft eine als Entführung getarnte Übersiedlung des Eggheads von Paris nach Berlin-Ost einfädeln und wird daraufhin vom amerikanischen Geheimdienst liquidiert. Coplan sorgt dafür, daß die Tote durch eine ihr ähnlich sehende alliierte Agentin ersetzt wird, damit Ost-Berlin nichts merkt, und tauscht seinerseits die Identität mit einem Köpenicker Matrosen, dessen Boß, als Kapitän eines Schleppers getarnt, für den Westen arbeitet. Nach gefährlichen Begegnungen mit volkseigenen Zimmermädchen, Verkehrspolizisten und Geheimdienstlern landet er schließlich, angeschossen, aber fidel, mit dem adaptiven Optiker in West-Berlin. Fin.

Ob’s wirklich genauso war, dafür kann ich mich nicht verbürgen. Zu der kruden Mixtur seiner Schauplätze und Nationalitäten fügte dieser Film eine enigmatische Verästelung des Handlungsverlaufs, die in der Zuschauerin den Verdacht keimen ließ, die Macher selber wüßten nicht recht, wo das hinauswachsen sollte. Das einzig Überzeugende an dem Werk waren die von der Ansagerin zu Recht hervorgehobenen blauen Augen des attraktiven Coplan-Darstellers Philippe Caroit. Leider waren sie während des halben Films durch braune Kontaktlinsen (Tarnung) verdeckt, aber einmal fiel eine raus, und man freute sich an dem Leuchten dieser azurenen Iris.

Die Schwierigkeit mit der Inter- oder Supranationalität ist, daß sie bloße Konstruktion ist und keinen Boden hat und keine menschliche Gestalt. Schauplätze sind immer national, Leute auch. Filme und Fernsehspiele, die vom Bild leben, müssen die Luft über einer Stadt, den Atem ihrer Menschen visualisieren, oder sie verspielen ihre Mittel. Wie um darauf hinzuweisen, daß sie dieses Risiko eingingen, verzichteten die „Coplan“-Macher darauf, die Szene ihres Films, Berlin, als Kulisse und Augenfutter vorzuführen. Nur den Abspann untermalten ein paar Mauerphotos aus dem Archiv. Wahrscheinlich wurde der Film in einem Pariser oder Zürcher Vorort gedreht.

Barbara Sichtermann