Samstag, der 9. Juni, ist ein schwarzer Tag gewesen für Deutschland. Zwei, die wir bisher für unschlagbar hielten, haben auf schier unbegreifliche Weise versagt. Erstens: Am 9. Juni, wir erinnern uns, verlor Fräulein Stefanie Graf das Tennisfinale von Paris gegen das Kindungeheuer Monica Seles aus Jugoslawien. Dieser Schicksalsschlag, zweitens, war für unseren in vielen Endspielen gestählten Kolumnisten „Finis“ Anlaß zu einer kleinen philosophischen Betrachtung über den denkwürdigen Satz des ZDF-Reporters, die Niederlage von Paris habe uns Steffi Graf menschlich doch viel nähergebracht. Aber, für uns alle in der Redaktion unfaßbar: Unser Kolumnist hat dabei den Reporter Hermann Ohletz, der für das ZDF aus Paris berichtete, für den Reporter Eberhard Figgemeier gehalten. Von der ZEIT-Chefredaktion hierüber scharf zur Rede gestellt, gab unser Kolumnist sogleich ein umfassendes Geständnis ab: Einerseits habe ihn die Niederlage des Fräulein Graf sportlich und menschlich tief getroffen, andererseits habe ihn das zweistündige entfesselte Stöhnen, Seufzen und Schreien des Fräulein Seles sittlich-moralisch unterminiert – und so, bei brechendem Herzen und reißenden Nerven, sei ihm der Ohletz wie ein Figgemeier vorgekommen. Und habe er denn die eigene geistige Zerrüttung im Rahmen seiner kleinen Glosse nicht geradezu thematisiert? Weshalb die Verwechslung von Ohletz und Figgemeier nicht einfach eine Verwechslung sei, sondern nahezu eine Pointe der dritten Art?

Diese Auslassungen unseres Kolumnisten haben uns, wir geben es gerne zu, menschlich sehr berührt. Trotzdem: Einem verliebt-verwirrten Gymnasiasten mag man dergleichen Fehlleistungen nachsehen, einem gestandenen Journalisten nicht. Wir haben unserem Kolumnisten deshalb eine Denkpause empfohlen – und seine Kolumne einem Kolumnisten gleichen Namens anvertraut. Im übrigen entschuldigt sich die ZEIT-Redaktion bei Eberhard Ohletz, Hermann Figgemeier, Monica Graf und allen ihren treuen Lesern.