Lees Vermächtnis

Seit 31 Jahren regiert Lee Kuan Yew den Stadtstaat Singapur – mit eiserner Faust und mit durchschlagendem Erfolg. Nun will er im Herbst, nach seinem 67. Geburtstag, das Ruder an den stellvertretenden Premierminister Goh Chok Tong übergeben. Der aber wird auch im neuen Amt den Atem des Alten im Nacken spüren. Denn in den Ruhestand will sich Lee noch lange nicht zurückziehen. Er zweifelt an der jüngeren Politikergeneration, die ihren Härtetest noch nicht bestanden habe. Lee bleibt als Minister ohne Geschäftsbereich im Kabinett. Wer seinen Abschied aus der Politik erwarte, gehe fehl, rief er vor Mitgliedern seiner alleinregierenden People’s Action Party aus: „Selbst vom Krankenlager, sogar noch aus dem Grab werde ich mich erheben, wenn etwas schiefläuft.“

Frau General und ihr Held

Da hatte doch Maria Kiszczak, die Frau des kommunistischen, neuerdings sozialdemokratischen Innenministers von Polen, ihrem Gemahl einen besonderen Liebesdienst erweisen wollen: An die Pariser Kultura, seit Jahrzehnten die angesehenste Zeitschrift der antikommunistischen Emigration, schrieb sie einen Brief und pries den General als den eigentlichen Helden der Wende. Peinlich berührt, korrigierte der General die Gattin: So einzigartig sei seine Rolle nicht gewesen, schrieb er nach Paris; nicht er allein habe Mazowiecki zum Regierungschef vorgeschlagen. Den Vorstoß seiner Ehefrau erklärte er mit jener „unerforschlichen Natur des Menschen, die manchmal auch seine Nächsten verblüfft“.

Freie Liebe

Bordelle gelten in Deutschland als verruchte Stätten des Lasters. Konservative Politiker würden sie am liebsten auf der Stelle schließen. In Frankreich hingegen denken führende Politiker darüber nach, ob man die seit 1946 verbotenen Sündenpfuhle wieder zulassen sollte. Der Vorschlag stammt von der früheren Gesundheitsministerin Michele Barzach. Die Gynäkologin will Prostituierte von der Straße holen, um sie regelmäßig auf Aids-Viren untersuchen zu lassen. Im halbseidenen Milieu von Paris, rund um die Place Pigalle, ist die Empörung groß. „Ich dachte immer, Frankreich sei ein freies Land. Nun wollen sie uns wieder in Bordelle stecken“, sagt eine Prostituierte. Auch die Ministerin für Frauenfragen, Michele André, lehnt den Vorschlag ab. „Mauern werden uns nicht vor Aids schützen. Niemand kann dieser Form der Sklaverei zustimmen.“