Lothar de Maizière im Gespräch mit der ZEIT: Aber noch bleibt mancher Stein aus dem Weg zu räumen Von Robert Leicht, Theo Sommer und Christian Wernicke

ZEIT: Das Geld stand am Anfang der Teilung, und das Geld stehe jetzt auch am Anfang der Einigung. Ist mit dieser Aussage, die Manfred Stolpe am 17. Juni gemacht hat, die historische Bedeutung dessen, was sich jetzt vollzieht, zur Genüge beschrieben?

de Maizière: Mit Sicherheit nicht. Wenn er aber sagt „am Anfang“, dann meint er, daß es ein Prozeß ist, und er hat im weiteren Verlauf seiner Rede auch ausgeführt, daß es sehr viel mehr noch zusammenzuwachsen gäbe. Aber natürlich ist der 1. und 2. Juli ein wichtiger Schritt, denn ich gehe davon aus, daß damit der Prozeß der Einigung unumkehrbar wird.

ZEIT: Sie glauben nicht, daß irgend etwas diesen Prozeß noch verlangsamen oder gar stoppen könnte?

de Maizière: „Verlangsamen“ und „stoppen“ ist immer noch weniger als „unumkehrbar“.

ZEIT: Um zugespitzter zu fragen: Sehen Sie die Gefahr, daß der Prozeß der deutschen Einigung notleidend werden könnte durch Krisen im außenpolitischen Umfeld oder gar im Osten Deutschlands?

de Maizière: Ich glaube, daß der Prozeß der Einigung voranschreiten wird. Daß es da noch manche Steine aus dem Wege zu räumen gilt, ist eine ganz andere Frage. Aber wenn ich mir überlege, wie viele Steine wir in den letzten Monaten überstiegen oder aus dem Weg geräumt haben, dann glaube ich, daß wir schon ein mächtiges Stück vorangekommen sind.