Von Allister Sparks

JOHANNESBURG. – In der europäischen Debatte über Sanktionen gegen Südafrika sind zwei Punkte besonders zu beachten.

Zum einen haben die Sanktionen zweifellos zu der Überzeugung der südafrikanischen Regierung beigetragen, daß die politischen Bewegungen der Schwarzen zugelassen und in Verhandlungen über eine neue Landesverfassung einbezogen werden müßten. Zum anderen wird der äußere Druck, unter dem die Regierung Südafrikas sich dank der Sanktionen sieht, den Ausgang dieser Verhandlungen wesentlich mitbestimmen.

Die gelegentlich geäußerte Behauptung, einzig und allein Sanktionen hätten die südafrikanische Regierung veranlaßt, mit dem Abbau der Apartheid zu beginnen, ist sicherlich übertrieben. Aber es wäre ebenso falsch, ihnen eine beachtliche Bedeutung abzusprechen. Denn die Veränderungen in Südafrika sind nicht das Ergebnis eines Sinneswandels Präsident de Klerks oder ein Ausdruck dafür, daß die Regierung in Pretoria „zur Vernunft“ gekommen sei. Auch durch die Vernunftappelle Margaret Thatchers und anderer ähnlich denkender westlicher Politiker ist diese Regierung nicht überzeugt worden.

Derartige Appelle reichen nicht aus, um die herrschende Schicht zu veranlassen, ihre in vielen Jahren erworbenen Machtpositionen und Privilegien aufzugeben. Das geschieht vielmehr nur, wenn sie dazu gezwungen wird; wenn der Druck auf sie so stark ist, daß die Nachteile der Fortsetzung ihres Machtmonopols die Vorteile spürbar überwiegen.

Viele Faktoren haben zusammengewirkt, bis sich in Südafrika etwas bewirkt, die wachsende Einsicht, daß die Apartheid als System der politischen Rassentrennung einfach nicht funktioniert; die zunehmende Kluft zwischen den Erfordernissen einer separatistischen Ideologie und jenen einer modernen, integrierten Wirtschaft; die horrenden Kosten für den Krieg in Angola und die Erhaltung Namibias als militärischen Vorposten Südafrikas; die Veränderungen in der Sowjetunion, die den Weg zu Verhandlungen über einen beiderseitigen Rückzug aus dem Konfliktgebiet ebneten; die Erkenntnis, daß man sich in Namibia durchaus mit radikalen schwarzen Organisationen wie der Swapo an einen Tisch setzen konnte. Und schließlich trug zu dem Wandel bei, daß Kontakte mit dem inhaftierten Nelson Mandela einflußreiche Regierungsmitglieder zu der Überzeugung brachten, mit ihm sei ein Kompromiß möglich.

Nur wenige Kenner der hiesigen Situation zweifeln jedoch daran, daß die durch Sanktionen und den Abzug ausländischer Investitionen erzeugten wirtschaftlichen Engpässe ganz wesentlich dazu beitrugen, die weiße Kosten-Nutzen-Rechnung zu verändern. Führende Persönlichkeiten der Zentralbank und der Regierung gelangten deshalb Anfang 1989 zu der Einsicht: So kann es nicht mehr weitergehen. Der unerwartete Schlaganfall, der den früheren Präsidenten Botha zum Abschied zwang, und der Aufstieg des jüngeren de Klerk vervollständigten dann die Konstellation der Ereignisse, die den Wandel möglich machten.