Ein Klassiker im Kino: „The Killers“ von Robert SiodmakMüde bis zum Tod

Von Norbert Grob

Das Ende als Anfang. Oder: die letzte Tat als erstes Ratsei. Ein Mann auf seinem Bett in einem düsteren Zimmer, so düster, daß er kaum zu sehen ist. Ein Freund kommt hinzu, das Licht, das von draußen einfällt, wirft einen langen Strahl in den Raum. Der Freund warnt den Mann vor zwei Gangstern, die ihn töten wollen. „Man muß etwas tun!“ Doch der Mann reagiert nicht. Es ist, als sehnte er seinen Tod herbei. „Man kann nichts tun.“ Einige Augenblicke später wird er erschossen.

Der passive, resignierte Held: Mitte der vierziger Jahre war er Hollywoods Antwort auf die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs. Die Filme verklärten nicht länger das Leben, träumten nicht länger von der großen Chance, sie reflektierten seine dunkleren Seiten. Plötzlich brachten sie Geschichten ans Licht, die von der Nacht des Menschen erzählen. Schwarze Phantasien aus einer bedrohlichen Welt: über Verrat und Einsamkeit und Tage ohne Hoffnung.

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Die Schwärze des Schwarz’ der von Universal produzierten Filme war nicht nur ein Effekt, sondern eine Weltanschauung. Zwischen 1944 und 1949 wurde sie hergezaubert von Robert Siodmak und seinen Kameramännern Woody Bredell, Milton Krasner, Franz Planer. Harte Licht/Schatten-Effekte gehören zum Stil des film noir. Doch so schwarz wie in „The Killers“ war die Welt nie zuvor – und nur einmal noch danach: in „Touch of Evil“ (1957) von Orson Welles, ebenfalls für Universal gedreht.

Um die Geschehnisse herum arrangieren Siodmak und Bredell Hell-Dunkel-Kontraste, die ihre Figuren oft zu Silhouetten verkümmern lassen. Manchmal ist der Schock zwischen Schwarz und Weiß so weit getrieben, daß die Grenze dazwischen wie eine undurchdringliche Wand wirkt. Diese Schattenspiele unterstreichen, wie der Held in ein Leben verstrickt ist, das er weder beherrscht noch durchschaut. Sie betonen das Konfuse, Verlorene, Deformierte in ihm und akzentuieren zugleich die Doppelbödigkeit der Erzählung.

Burt Lancaster und Ava Gardner in ihren ersten großen Rollen: Zwischen ihnen spielt ein Begehren, das alles rechtfertigt, jeden Betrug, jeden Schmerz. Nur die wenigen Augenblicke, in denen sein Traum wahr wird, bleiben Lancaster am Schluß. Seine Qual danach findet kein Ende mehr.

Niemand gewinnt wirklich, und doch muß man alles versuchen: Das ist eine zentrale Maxime des amerikanischen film noir. Robert Siodmak aber beginnt, indem er das Scheitern seines Helden vorwegnimmt. Bevor in elf Rückblenden und einem Showdown vom Leben dieses Mannes erzählt wird, ist alles längst vorbei. Ein guter Boxer mit großen Erwartungen: Er begegnet einer Frau, die ihn hineinlockt in eine goldene Gegenwart, aus der kein Weg mehr herausführt. Der Augenblick der Verführung ist Lust und Schmerz zugleich, paradiesisches Versprechen und Todesurteil in einem Dem hitzigen Aufbrausen der Leidenschaft folgt „das verarmte Leben, das Sterben-Wollen, die große Müdigkeit“ (Nietzsche).

Es gab viele kaputte, wehrlose Helden damals in Hollywood. Doch so müde und todessüchtig wie Burt Lancaster zu Beginn von Siodmaks „The Killers“ war sonst kein anderer. Noch heute ist dieser Film – nach der Geschichte von Ernest Hemingway und einem Drehbuch von John Huston – der radikalste Anschlag auf den Mythos des Hollywood-Helden.

 
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