Trampen ohne großes Risiko

Trampen ist nicht so gefährlich, wie die Polizei immer geglaubt hat: Eine Studie des Bundeskriminalamtes räumt mit den Vorurteilen über „das Reisen mit dem Daumen“ auf und fordert, die private Mitnahme in umweltschonende Verkehrskonzeptionen aufzunehmen.

Trampen hat einen schlechten Ruf. Regelmäßig vor den Sommerferien weist die Polizei auf Gefahren hin. Viele Eltern verbieten ihren Kindern das Fahren per Anhalter. Presse, Funk und Fernsehen warnen vor dem Trampen, berichten über Vergewaltigungen und Entführungen.

Dieses öffentliche Negativbild ist nach der Meinung von Wissenschaftlern überzogen. Im Auftrag des Bundeskriminalamtes (BKA) untersuchte eine Forschungsgruppe der Universität-Gesamthochschule-Wuppertal das „Anhalterwesen und Anhaltergefahren“.

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Viele der befragten Tramper machten keine schlechten Erfahrungen. Während trampende Männer häufiger die riskante Fahrweise bemängelten, berichten 7,8 Prozent der Frauen von verbalen sexuellen Belästigen.

Einen Teil dieser Negativ-Erfahrungen werten die Forscher jedoch nicht als typisch für das Trampen. „Dumme Sprüche“ oder auch „Anzüglichkeiten“ bilden nach Meinung der Wissenschaftler „nahezu alltägliche Erfahrungen von Frauen in den verschiedensten Lebensbereichen“. Ob am Strand, beim Spaziergang durch die Stadt oder in der Straßenbahn – fast überall könne es Frauen passieren, als Sexualobjekt betrachtet zu werden.

Statistisch, so die Untersuchung, komme es bei einer von 10 000 mitgenommenen Frauen zu einer Vergewaltigung und bei 2 von 1000 Fahrten zu einem Vergewaltigungsversuch.

Die Studie des Bundeskriminalamtes gibt einige Tips für sicheres Trampen: Bei einem von vornherein „unguten Gefühl“ sollte man nicht in den Wagen steigen, lieber einen Wagen weiterfahren lassen. Die Kriminalisten empfehlen, nicht an Stellen auf die Mitnahme zu warten, wo nur kurzes Halten möglich ist. Zu zweit oder zu dritt sinken zwar die Mitnahmechancen, man fährt aber sicherer. Einen merkwürdigen Ratschlag gibt die Kriminalpolizei zu guter Letzt: „Sobald es doch einmal unangenehm wird, sollte ein Anhalter sofort den Ausstieg verlangen und notfalls dieser Forderung Nachdruck verschaffen, indem er irgend etwas aus dem Fenster wirft oder in Brand setzt.“

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