Werden die deutschen Investmentsparer für dumm verkauft? Regelmäßig gibt der Bundesverband Deutscher Investment-Gesellschaften (BVI) im Auftrag seiner Mitglieder die Wertentwicklung deutscher Investmentfonds bekannt. Von vielen Tageszeitungen und Magazinen werden diese Zahlen bereitwillig nachgedruckt. Doch die Daten des Bundesverbandes täuschen Wertsteigerungen vor, die mit den tatsächlichen Erträgen keinesfalls übereinstimmen.

Was der BVI Monat für Monat veröffentlicht, ist die sogenannte „Managementleistung“ der Investmentfonds. Sie gibt Auskunft darüber, welchen Ertrag der Verwalter eines Fonds mit dem ihm anvertrauten Geld erwirtschaftet hat. Doch dieser Wert ist nicht identisch mit dem Betrag, den die Anleger auf ihrem Konto als Plus verbuchen können. Das liegt daran, daß nicht das ganze Geld, das ein Anleger für Investmentfondsanteile bezahlt, in den Topf des Fonds fließt. Je nach Fondstyp und Investmentgesellschaft werden zwischen drei und neun Prozent des eingezahlten Geldes abgezogen, um damit die Vertriebs- und Verwaltungskosten zu decken. Dieses „Disagio“ ist für den Anleger von Anfang an verloren.

Nun könnte man sagen – und nicht wenige Fondsverkäufer tun dies auch –, daß Investmentfonds meist eine längerfristige Anlage seien und sich die Anfangsspesen im Laufe der Jahre immer mehr nivellieren. „Fünf Prozent Ausgabeabschlag bedeutet in zehn Jahren gerade 0,5 Prozent pro Jahr“, argumentierte zum Beispiel ein freier Vertreter aus Frankfurt.

Doch dieses scheinbar so einleuchtende Argument täuscht. Ein Beispiel verdeutlicht dies: Einer der erfolgreichsten Fonds der letzten Jahre ist der SMH-Special-Fonds 1 von der Investment-Tochter der Frankfurter Bank Schröder Münchmeyer Hengst & Co. Nach den Berechnungen des BVI, in denen der Ausgabeabschlag unberücksichtigt bleibt, hat dieser Fonds zwischen Ende Dezember 1987 und Ende Juni 1990 eine Wertsteigerung von 129 Prozent erwirtschaftet. Doch in Wahrheit hatte ein Anleger, der Ende 1987 für 10.000 Mark Anteile an diesem Fonds kaufte, nur 21.597 Mark auf dem Konto, mithin ein Plus von 116 Prozent (siehe auch Tabelle auf Seite 25). Das ist zwar auch eine hübsche Rendite, aber immerhin 13 Prozentpunkte weniger, als das BVI-Ergebnis suggeriert.

Zu der Differenz kommt es, weil das Startkapital des Anlegers von Beginn an um den Ausgabeabschlag beschnitten wurde. Und je länger er dem Fonds treu bleibt, um so größer wird die Schere zwischen der offiziellen Wertentwicklung und seinem tatsächlichen Ertrag. Von einer Nivellierung kann also keine Rede sein.

Die Münchner Analyse- und Beratungsfirma Südprojekt hat eine Methode zur Performance-Messung (Performance = Wertentwicklung) erarbeitet, die die tatsächlichen Gewinne – und manchmal auch Verluste – der Anleger ermittelt. Die Ergebnisse dieser „ehrlichen Performance“ finden sich in den Tabellen. Um die Fonds mit ihrer unterschiedlichen Ausschüttungspolitik vergleichen zu können, werden bei der Berechnung der Wertentwicklung alle Fonds so behandelt, als seien die Ausschüttungen wieder im gleichen Fonds angelegt worden.

Doch die ZEIT/Südprojekt-Investmentanalyse bietet mehr als nur eine anlegergerechte Performance. Genauso wichtig wie der tatsächliche Ertrag ist die Frage, welches Risiko man mit dem Kauf eines bestimmten Fonds eingeht.